Jeder Tag ist anders: Arbeit mit Menschen fasziniert

Über den Bundesfreiwilligendienst zum Traumberuf

ASCHEBERG. Angefangen hat alles mit einer kleinen Anzeige. „Da wurde beim Sozialwerk St. Georg jemand für den Bundesfreiwilligendienst in der Reittherapie Ascheberg gesucht“, erzählt Berfin Köruk. Für die 23-jährige war das der Auftakt zu viel viel mehr.

Sie hatte damals gerade erfolgreich ihr Fachabi im Bereich Gesundheit und Soziales absolviert. „Allerdings wusste ich da noch nicht so genau, wohin es beruflich für mich gehen soll.“ Dann entdeckte sie die Anzeige und bewarb sich. „Es war passend, denn ich reite schon lange.“ Sie startete als Bufti auf dem Bauernhof St. Georg in Ascheberg und sagt heute: „Dieses Jahr hat mir so viel gebracht, vor allem aber hat es mir bei der beruflichen Entscheidungsfindung geholfen.“

Berfin Körkuk hat erfolgreich ihre Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin auf dem Bauernhof St. Georg absolviert. Foto: Tina Nitsche

Nach dem freiwilligen Jahr blieb sie auf dem Bauernhof St. Georg. Sie trat dort ihre dreijährige Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin an, die sie nun erfolgreich bestanden hat. „Gott sei Dank“, sagt sie und atmet lächelnd auf. Denn die letzten Meter bis zu Prüfung waren alles andere als ein Spaziergang. Corona hat es ihr, den Mitschülern aber auch dem zweiten Auszubildenden auf dem Bauernhof St. Georg, Andreas Krasenbrink, nicht gerade leicht gemacht.

Kein Spaziergang

„Vor allem in den Prüfungsvorbereitungen waren wir auf uns allein gestellt“, erzählt Berfin Köruk. „Da bedurfte es ganz viel Disziplin und Selbstständigkeit, denn die Anleitung in der Schule fehlte“, fährt sie fort. Doch die Mühen haben sich ausgezahlt. Berfin und Andreas bestanden ihre Prüfungen. Ihre Praxisanleiterinnen Mareike Krumminga und Katharina Kottmeyer sowie Monika Urkötter (Fachbereichsleitung) waren stolz. „Da ist dann irgendwie eine Last von den Schultern gefallen“, gibt die 23-jährige, die übrigens in Lüdinghausen wohnt, zu. Denn Anspannung war da. „Vor allem beim Colloquium, der mündlichen Prüfung“, verrät die junge Frau. Da wurde ihr sofort mitgeteilt, dass sie bestanden hatte, „und genau da fiel dann die ganze Anspannung ab.“

Geschäftsführer Andreas Friedrich, Praxisanleiterin Mareike Krumminga (v.l‘) sowie Katharina Kottmeyer (2.v.r.) und Regionalleiter Johannes Wilhelm Feller(r.) gratulierten Berfin Körük (3.v.l.) und Andreas Krasenbrink (3.v.r.) zu deren erfolgreich bestandenen Ausbildung. Foto: Sozialwerk St. Georg

Während Andreas nun in einer anderen Einrichtung Berufserfahrung sammelt, geht es für Berfin auf dem Bauernhof St. Georg weiter. „Ich darf nun eine Krankheitsvertretung übernehmen“.  Darüber freut sie sich sehr. „Denn ich habe das Glück in einer tollen Umgebung mit einem super Team zu arbeiten“, sagt sie. Sie will nun erst einmal Erfahrungen sammeln, und dabei ist ihr eines bewusst: „Ich habe eine große Verantwortung und da gilt es jetzt sattelfest zu werden.“

Traumberuf gefunden

Berfin liebt ihren Beruf schon jetzt, Wochenend- oder Schichtarbeit stören sie nicht im Geringsten. „Mein Beruf ist so abwechslungsreich, jeder Tag ist anders, und vor allem haben wir auch kreative Freiheiten und genau das macht diese Arbeit so spannend.“  Für Berfin Köruk ist das erst der Anfang. Sie weiß schon jetzt, das Stillstand in ihrem Beruf ein Fremdwort bleibt. Vielmehr bietet er ihr die Möglichkeit sich ständig weiter zu entwickeln. „Ich kann auf meine Ausbildung aufbauen, es gibt viele Fortbildungsmöglichkeiten. Und ich habe einen Beruf, der gefragt ist, denn Fachkräfte werden gerade auf diesem Sektor immer benötigt.“

Sie freut sich nun auf ihre abwechslungsreiche Tätigkeit in Ascheberg und wagt schon eine handfeste Aussage: „Ich habe meinen Traumberuf gefunden.“ Einen, der den Auftakt mit einem Bundesfreiwilligenjahr genommen hat. Tina Nitsche

 

Info:

Junge Menschen, die es ausbildungstechnisch auch in Richtung eines sozialen Berufes zieht, dürfen sich für Infos oder Bewerbungen gerne an den zuständigen Regionalleiter des Sozialwerk St. Georg, Johannes Wilhelm Feller, Email: j.feller@sozialwerk-st-georg.de wenden.

Und dann verließ er sie….

Manchmal ist es doch schon echt komisch. Da denkt Frau mal über einen anderen nach und was passiert? Ihr langjähriger treuer Weggefährte verlässt sie nur einen Tag später völlig unvorbereitet. Noch dazu mitten auf der Kreuzung. Als ob er ihre Gedanken hat lesen können. Ist doch irgendwie seltsam, oder? Nach über 300 000 Kilometern gemeinsamen Weges kein Ton mehr, nur noch ächzende unverständliche Geräusche. Ja, Ihr ahnt es schon, natürlich reden wir hier nicht von dem Zerbrechen einer menschlichen Beziehung. Nein, wir reden davon, dass das Auto meiner Freundin Isabel einfach so den Geist aufgegeben hat.

Und irgendwie ist das ja fast genauso schlimm, wenn man mal bedenkt, wie schwer den meisten Menschen die Trennung von ihrem heißgeliebten Vehikel fällt.

Doch irgendwann ist es so weit. Bei dem einen früher, bei dem anderen später. Ach ja, unsere Isabel hätte da gerne noch ein wenig Galgenfrist gehabt, schließlich hat sie ja gerade mal einen ersten Gedanken an einen eventuellen Nachfolger verschwendet. Das dann aber so postwendend die Antwort kommt! Wer hätte das gedacht. Und das noch mitten beim Abbiegen und unter Begleitung mehrfachen Hupens. Was sollen die Verkehrsteilnehmer auch denken, wenn Frau ruckelnd und stotternd gerade noch an den Straßenrand kommt. Das wollen wir uns jetzt mal lieber nicht ausmalen.

Fakt ist, sie hat es geschafft, ihren treuen Weggefährten an den Rand zu bugsieren. Und nur wenig später hing er dann am Haken. Denn irgendwie muss er ja nach Hause bzw. in die Werkstatt kommen. Wie gut, dass der Abschleppdienst so schnell da war und den langjährigen Weggefährten aufgeladen hat. Und unsere Isabel? Erst einmal fassungslos: „Das glaubt mir keiner“. Dann hoffnungsvoll. „Vielleicht ist es ja nicht ganz so schlimm“.  Ist eben nie leicht so eine Trennung…. Selbst wenn sie hoffentlich nur ganz kurz dauert.  Eure Carla Columna on tour

Frische Eier vom Bauernhof St. Georg

ASCHEBERG. In Corona-Zeiten ist ja vieles ein bisschen anders. So auch auf dem Bauernhof St. Georg. Da könnt Ihr nämlich rund um die Uhr frische Eier von freilaufenden Hühnern bekommen. Wusstet Ihr das? Der Verkauf von Eiern an sich ist ja nichts Neues. Seit vielen Jahren besteht dieses Angebot. Eigentlich immer als Hofverkauf. Doch Corona zwingt da zu neuen Ideen.

Also gibt es nun einen großen Kühlschrank, der täglich mit frischen Eiern befüllt wird. Und da können sich die Menschen ihre Eier rund um die Uhr gegen Geld kaufen. Auf diese Weise werden dann auch die notwendigen Hygiene- und Abstandsmaßnahmen optimal gewährleistet. Tina Nitsche

Stillstand – Eine Zunft am Abgrund

Jacobi Kirmes: Kein Vergnügen – Schausteller bangen um ihren Berufsstand

ASCHEBERG. Es ist still im Dorf. Kein hektisches Treiben, keine Schausteller, die ihre Geschäfte aufbauen, und logischerweise keine Karussells, die sich am Wochenende drehen. Da würde die Jacobi-Kirmes beginnen. Eigentlich. Doch in diesem Jahr fehlen die vielen Zutaten, die Ascheberg drei Tage lang Kopf stehen lassen. Kein bunter traditioneller (Freichip-) Regen. Keine munteren Sprüche, mit denen die Menschen animiert werden sich in andere Welten wirbeln zu lassen. Und auch keine Klübchen die zu den traditionellen Kirmeszehnkämpfen aufbrechen.

2020 wird als das Jahr in die Ascheberger Geschichte eingehen, in dem der erklärte Höhepunkt im Veranstaltungskalender nur durch eine leere Stelle besticht. Denn die Jacobi-Kirmes ist, wie viele Veranstaltungen auch, der Corona Krise zum Opfer gefallen.

Den eingefleischten Kirmesfans tut das weh. Ganz ohne Zweifel. Doch die Schausteller treibt diese Situation in der Tat an existentielle Abgründe.

Wohin geht die Reise?

Einnahmen generieren – Fehlanzeige. Und das seit Monaten.  „Wir haben ja ein Berufsausübungsverbot von Vater Staat ereilt bekommen“, bringt es Schausteller Robert Heitmann auf den Punkt. Mit Wehmut denkt er an das bevorstehende Wochenende. „Da würde ich jetzt eigentlich in Ascheberg stehen, wie immer am letzten Wochenende im Juli“. Und das tut Robert Heitmann schon fast sein ganzes Leben lang. Denn die Jacobi-Kirmes ist fester Bestandteil seiner jährlichen Arbeitsroute. Nur in diesem Jahr nicht.

Wohin die Reise für seine Zunft gehen soll? „Ich weiß es nicht“, sagt er seufzend. Die Situation und vor allem die Zahlen sprechen da eine eigene Sprache. „Wenn die Weihnachtsmärkte nun auch nicht stattfinden dürfen, dann sehe ich schwarz“, so Heitmann und macht deutlich: „Das würde das Aus für 60 bis 70 Prozent der Kollegen bedeuten.“ Er selbst würde es vielleicht noch bis zum Frühjahr nächsten Jahres schaffen.

Dieses Bild hätte er sich an diesem Wochenende gewünscht. Doch heute ist Schausteller Robert Heitmann das Lachen vergangen. Foto: Tina Nitsche

Für ihn, der ein Mann der Traditionen ist, ist das besonders schlimm. „In diesem Jahr hätten wir eigentlich Grund zum Feiern“, sagt er leise. Denn 1820 wurde seine Familie in Herford sesshaft. Seinerzeit mit einer Bodenmühle. Die Schaustellerei ist sein Leben. „Und das Leben meiner Familie“, sagt er. Seinen Kindern hat er freigestellt, was sie nach ihrem Schulabschluss machen wollen. Seine beiden Großen haben sich nach Schule und Ausbildung für die Schaustellerei entschieden. Sie führen damit das Erbe ihrer Vorfahren fort. „Irgendwie liegt uns das schließlich im Blut.“

Für Robert Heitmann ist sein Beruf nicht einfach eine Tätigkeit, sondern Berufung. Doch er hat Angst. Angst, was aus seinem Berufsstand werden soll. Trotzdem sieht er nicht einfach hilflos zu. Nein, er versucht Wege zu finden. „Ich habe auf meinem Grundstück an den Wochenenden einen kleinen Markt aufgebaut. Hier setzen wir das geforderte Hygienekonzept um, und ich hoffe, dass wir damit zeigen können, dass auf diese Weise zumindest kleine Veranstaltungen wieder möglich werden können.“

Kampf um eine alte Tradition

Er kämpft um eine Jahrhunderte alte Tradition. So wie viele seiner Kollegen auch. „Deshalb gehen wir auch auf die Straßen, fahren kreuz und quer durch Deutschland, um bei großen Demonstrationen auf unsere Situation aufmerksam zu machen.“ Eine Situation, die an die Substanz geht. Und eine, die selbst Robert Heitmann erst vor ein paar Tagen die Tränen in die Augen getrieben hat. Da war er in Ascheberg, um für die Kolpingsfamilie Mandeln und Popcorn zu liefern.  „Anschließend habe ich in meinem Auto gesessen und geweint“, gibt er zu. Es waren Tränen der Rührung, weil die Ascheberger ihm durch ihre Kirmesaktion ein wenig Umsatz bescheren, es waren aber auch Tränen voller Wehmut, weil er an diesem Wochenende nicht auf dem Ascheberger Kirchplatz stehen und dort das tun darf, was er am besten kann: Den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern und ihnen ein paar Tage voller (Kirmes-) Freude zu schenken.

Von 100 auf Null

Anke und Frank Derleh ist das Lachen mittlerweile vergangen. Statt ihren Pizzawagen und das Ballwerfen anlässlich der Jacobi-Kirmes zu betreiben, sitzen sie zu Hause. Sind quasi von 100 auf Null katapultiert worden. „Einfach nur traurig“, sagt Anke Derleh und ihr Mann ergänzt: „Finanziell haben wir keine Möglichkeiten mehr.“ Natürlich haben sie die Soforthilfe beantragt. „Aber was sind schon die 9000 Euro, wenn alle Kosten weiterlaufen und das Monat für Monat.“

Auch für Schaustellerfamilie Derleh sind harte Zeiten angebrochen. Einziger Lichtblick: Sohn Phillipp (l.) hat Arbeit bei der Firma Alutraum in Ascheberg gefunden. Foto: Tin Nitsche
Arbeit in Ascheberg

Die Sorgen sind belastend. Froh sind die Beiden, dass zumindest ihr Sohn Philipp momentan Arbeit hat. Nicht als Schausteller. „Nein, er arbeitet in Ascheberg bei Dirk Tönies in dessen Firma Alutraum“, sagt Anke. Sie und ihr Mann hingegen sind zum Nichtstun verdonnert. Und das gefällt ihnen nicht. „Das sind wir nicht gewohnt, unser Leben ist die Reise auch wenn die sicherlich nicht immer ganz einfach ist. Aber mit der Arbeit sind wir groß geworden, so wie mit all den Höhen und Tiefen, die unser Berufsstand mit sich bringt. Aber es ist unser Beruf und den üben wir mit Herzblut aus.“ Umso trauriger sind sie, dass sie auch an diesem Wochenende zu Hause sitzen müssen. „Da wären wir eigentlich in Ascheberg. Unserem Ascheberg“, sagen sie. Viele viele Jahre kommen sie schon nach Ascheberg, um dort die größte Dorfkirmes im Münsterland zu halten. Die Derlehs verbringen sogar immer drei Wochen dort. „Und das ist etwas Besonderes für uns. Dort treffen viele Kollegen zusammen in unserem kleinen Dorf im Dorf, wie wir den schönen Wohnwagenplatz nennen.“

Quälende Sehnsucht

Vor allem Anke quält die Sehnsucht. Ascheberg ist für sie irgendwie ein Stückchen Heimat. „So gehe ich mit Natalie Strothenke dort immer zu Ullas Team zum Friseur.“ Und diesen Friseurbesuch haben sich die Beiden in der vergangenen Woche gegönnt. „Dann sind wir noch durch den Ort geschlendert, haben auch bekannte Gesichter getroffen und hatten somit wenigstens ein bisschen Ascheberg-Feeling“, erzählt Anke.  Das Schaustellerehepaar blickt einer unsicheren Zukunft entgegen, obwohl auch sie die Hände keineswegs in den Schoß legen. „Auch wir fahren zu den Demonstrationen“, so Frank Derleh, „aber leider wurden wir bis jetzt nicht richtig gehört, es ist zermürbend“, ergänzt seine Frau traurig.

Seit 20 Jahren kommt Kerstin Melcher nun mit ihrem Cocktail-Stand zur Jacobi-Kirmes nach Ascheberg. In diesem Jahr ist jedoch auch sie zum Stillstand verdonnert. Foto: Tina Nitsche

Schaustellerin Kerstin Melcher wird es ebenfalls schwer ums Herz, wenn sie an die Jacobi-Kirmes denkt. „Da wäre ich jetzt normalerweise mit meinem Cocktailstand. Ach, ich vermisse meine Klübchen und meine Ascheberger“, sagt sie. Finanziell geht es ihr nicht besser als vielen Kollegen. Erschwerend kommt hinzu, dass sie alleinerziehend ist. Aber sie ist auch eine Frau, die nicht einfach aufgibt. Natürlich hat auch sie derzeit keine Einnahmen. „Finanziell ist es ein Desaster“.

Zusammenrücken in der Krise

Aber ihren gesunden Optimismus will sie sich nicht nehmen lassen und findet schnell auch positive Aspekte: „Wir sind alle enger zusammengerückt, bauen uns gegenseitig, auf. Jeder hilft jedem“, beschreibt sie die alltägliche Situation mit Familie und Freunden. Ihre Kosten laufen jedoch wie bei allen anderen weiter. „Ich habe mein Erspartes angreifen müssen, um mich und meinen Sohn über die Runden zu bringen. Aber das ist nun aufgebraucht und da muss auch ich mir jetzt Gedanken machen….“ Den Arbeitslosengeld 2-Antrag hat sie gestellt. Die Sorgen nimmt ihr das jedoch nicht. „Denn die privaten und betrieblichen Fixkosten laufen weiter, da ist das vergleichsweise ein Tropfen auf den heißen Stein.“

Ein trauriges Bild, das da gezeichnet wird. Und das von Menschen, die normalerweise Freizeit zum Vergnügen machen. Nur in diesem Jahr nicht. Da dreht sich kein Karussell und in Ascheberg bleibt es still, am letzten Wochenende im Juli, das traditionell eigentlich der Jacobi-Kirmes vorbehalten ist. Tina Nitsche

Auf dem Aaland weht ein bisschen Kirmesflair

Pferderennbahn im heimischen Garten

ASCHEBERG. Eigentlich hätten die meisten von uns etwas vor an diesem Wochenende. Doch was tun die Ascheberger, wenn die heißgeliebte Jacobi-Kirmes nicht kommen kann? Ganz einfach: „Wir holden sie zu uns!“ sagen da ein paar echt eingefleischte Kirmesfans vom Aaland.

Ihrem Vorsatz ließen Dirk Thies, seine Frau Sabine, die Kinder Luca und Louis dann auch Taten folgen. „Ich bin dann mal weg“, erklärte Dirk Thies seiner Frau. Wohin? Zum Baumarkt. Denn Dirk Thies hatte einen Plan. Zu einer echten Kirmes gehören Spielgeschäfte. Vor allem dann, wenn man wie er, langjähriges Mitglied der legendären „Bermudatruppe“ ist und zu den eingefleischten Kegelzehnkämpfern gehört.
Und da gibt es ein Geschäft, „was wir immer ansteuern“, so Thies. Waldo Parpalionis Pferderennen. Da das in diesem Jahr Corona bedingt nicht möglich ist, hat Dirk Thies ein paar Baumaterialien eingekauft und fertigte im heimischen Garten mit der Unterstützung seiner Familie eine Pferderennbahn. 1,80 Meter misst sie in der Länge, in der Breite bringt es das Werk auf einen halben Meter.

„Natürlich fehlt die Elektronik“, so Thies. Aber kreative Menschen wissen auch damit umzugehen. So kreierte er eine Bahn, die über 10 Löcher verfügt. Der Pferdekopf am Ende macht deutlich, welches Spiel hier gespielt wird. Aus Katzenspielzeug fertigte die Familie die Kugeln, die in besagte Löcher versenkt werden müssen. Sohn Luca und Ehefrau Sabine griffen zu Pinseln und Farbe und verpassten dem Werk den entsprechenden Anstrich. Am Samstag heißt es dann im Thiesschen Garten: „Na, wo laufen sie denn?!“   Der Spruch, den Schausteller Waldo Parpalioni immer auf den Lippen hatte, um in Ascheberg seine Gäste zum Spiel zu animieren. „Und der darf dann bei uns natürlich nicht fehlen“, erklärt Sabine Thies schmunzelnd.

Der Mandelexperte

Ebenso wenig wie der Duft frisch gerösteter Mandeln. Und da genau kommt Nachbar Lars Israel ins Spiel. Seines Zeichens übrigens nicht nur erklärter Kirmesfan, sondern auch Hobbybäcker. „Mandeln, die dürfen auf keiner Kirmes fehlen“, gibt er zu. Er selber steuert dazu in Ascheberg immer Hoppes Mandelstand an. Und da lässt er sich nicht nur einfach die Mandeln auf der Zunge zergehen. Nein, da gerät man auch gerne mal ins Fachsimpeln. Über die Herstellung der süßen Köstlichkeit zum Beispiel. Und wie heißt es so schön? Übung macht den Meister.

Mittlerweile hat der Ascheberger sein Rezept richtig ausgefeilt. Das Resultat: „Sie reichen fast dran an die Hoppe-Mandeln“, bestätigen die Nachbarn, die selbstverständlich schon eine Kostprobe genießen durften. Für das kleine private Kirmesvergnügen hat Lars Israel schon einmal alles vorbereitet. Der Duft frisch gebrannter Mandeln dominiert die Küche. Anschließend werden sie ganz Kirmeslike in Tüten abgefüllt. Damit ist der Punkt Kirmesschnökerein auch schon einmal von der To-Do-Liste gestrichen.

Lars Israel sorgt für die typische Kirmesschnökerei, die auf keiner Kirmes fehlen darf: Gebrantte Mandeln. Fotos: Tina Nitsche

Neben Pferderennen und Mandeln darf auch das Dosenwerfen nicht fehlen. Hier hat Theo Sellinghoff schon die Dosen geliefert. Weitere geplante Spiele für den Kirmessamstag sind außerdem Kerzen mit Wasser ausschießen und Ballonwerfen. Auf dem Aaland steigt somit die Vorfreude. Denn Kirmes hat hier einen hohen Stellenwert. So hoch, das sogar der Jahresurlaub immer entsprechend geplant wird.

Auch in diesem Jahr. „Nur bei den Urlaubsplanungen konnten wir ja noch nicht wissen, dass es in diesem Jahr keine Kirmes gibt.“ Dem ist leider so. Sabine und Dirk Thies haben trotzdem Urlaub. Und hatten damit die Zeit, um den individuellen Kirmesplan in die Tat umzusetzen. Und dazu gehören natürlich auch flotte Sprüche. Normalerweise geben diese die Rekommadeure an den Fahrgeschäften zum Besten. „Ein Karussell haben wir zwar nicht, aber die entsprechenden Animationssprüche haben wir uns schon besorgt“, so Dirk Thies lachend. Die Aaländer sind somit vorbereitet, für eine kleine aber feine Kirmes im heimischen Garten. Mit zugegebenermaßen einer nur ganz kleinen elitären Besucherauswahl, aber immerhin. Sie haben es, wie übrigens auch einige andere Ascheberger, die ebenfalls das Kirmeswochenende mit Aktionen und Unternehmungen würdigen, hinbekommen, dass am Samstag ein bisschen Kirmesflair zumindest in den heimischen Garten gezaubert wird. Tina Nitsche

Das Pferd macht deutlich, welches Spiel hier am Samstag gespielt wird. Foto: Tina Nitsche

 

Besonderer Dauergast

Bei Homanns wächst ein Riesenbovist im Garten

ASCHEBERG. „Er ist wieder da“ sagt Hans-Werner Homann schmunzelnd und weist auf das weiße kugelige Gebilde, das sich zwischen grünen Efeublättern in die Höhe reckt. Seine Haut makellos glatt. Fast zumindest. „Irgendwie hat er einige Macken bekommen, vielleicht waren es die Vögel“, mutmaßt der Ascheberger Hobbygärtner.

Was sich hier in seinem Garten breit macht, ist eigentlich eine Seltenheit und gar nicht so leicht zu finden. Es ist ein Riesenbovist. Sein Durchmesser liegt jetzt schon bei rund 20 Zentimetern. Und er ist längst nicht ausgewachsen.

„Auf einmal war er wieder da“.  Fast  könnte man hier schon sagen: Alle Jahre wieder. Denn seit drei Jahren ist diese Rarität in den Sommermonaten quasi Dauergast im Homannschen Garten.  Seit dem ersten Erscheinen taucht er jedes Jahr wieder auf. Ohne Vorankündigung. „So wie beim ersten Mal, da war er auch auf einmal da. Als ich ihn das erste Mal oben vom Balkon aus gesehen habe, da dachte ich ja noch es liegt ein Ball im Beet“, verrät Hans-Werner Homann. Besagter Ball entpuppte sich bei näherem Hinschauen jedoch als eine Pilzart, die wie gesagt nicht so häufig zu finden ist.

Eine berechtigte Frage

Wie sie in den Ascheberger Garten gelangte? Mit seiner Vermutung, dass dieser Pilz sich durch Sporen angesiedelt haben könnte, liegt der Ascheberger schon ziemlich richtig.

Neugierig geworden haben wir da extra noch einmal recherchiert. Denn das haben auch unsere Recherchen ergeben. Demnach produziert jeder Fruchtkörper über sieben Billionen Sporen, was ihn zum vielleicht fruchtbarsten aller Pilze macht. Riesenboviste wachsen übrigens von Juni bis September vornehmlich auf Wiesen, Weiden und lichten Wäldern (aufgelockerte Kiefernwälder auf eher trockenen Standorten). Charakteristische Standorte sind vor allem alte Streuobstwiesen. Aber durchaus siedeln sich diese Exemplare, die einen Durchmesser von 50 Zentimetern und mehr erlangen können, auch mal im heimischen Garten an. Nicht oft. Aber manchmal.

Nun kommt die alles entscheidende Frage: Ist dieser Pilz essbar? Hans-Werner Homann ist ehrlich. „Keine Ahnung, da habe ich mich noch nicht mit beschäftigt. Ich esse ihn nicht.“  Doch unsere Recherchen ergaben: Riesenbovisten sind essbar. Mit so einem Riesenbovisten kann man sogar glatt eine ganze Familie satt bekommen. Mehrere Infos findet Ihr übrigens auch hier.

Also, der „Dauergast“ im heimischen Garten ist schon etwas Besonderes. Vor allem, weil er sonst eher wiegesagt, wenn überhaupt auf Wiesen zu finden ist.

Die Homanns freuen sich auf jeden Fall darüber, dass der weiße Riesenbovist auch in diesem Jahr wieder ihren Garten ziert. Denn er bietet schon einen wirklich ungewöhnlichen Anblick. Tina Nitsche

Wer übernimmt die Pflege?

Ortskernverschönerung: Heimatverein Ascheberg denkt schon weiter

ASCHEBERG. Ascheberg soll schöner werden. Erste Schritte sind dafür bereits in die Wege geleitet. So durften Bürger bspw. Vorschläge für die Neugestaltung von Plätzen einreichen. Um besagte Neugestaltungen vorzunehmen, hat der Rat der Gemeinde Ascheberg beschlossen ein Planungsbüro zu beauftragen. Welches das ist? Nun, diese Geheimnis wird erst am 29. Juli gelüftet.

Fest steht damit: Es passiert etwas und die Ortskernverschönerung ist nicht mehr nur ein Begriff, sondern sie ist auf dem Weg Formen anzunehmen. An unterschiedlichen Plätzen. Einer davon ist u.a. der Katharinenplatz. Der Heimatverein Ascheberg, der sich auch mit Vorschlägen beteiligt hat, denkt jedoch schon weiter. Sehr viel weiter um genau zu sein, denn der Vorstand beschäftigt sich gedanklich schon mit der fertigen Version. Und in diesem Zusammenhang drängt sich eine nicht ganz unerhebliche Frage auf: „Wer übernimmt die Pflege?“

Ein durchaus wichtiger Punkt, wie Heinz Frenster, stellvertretender Vorsitzender des Ascheberger Heimatvereins, findet. „Früher sind hier ja über viele öffentliche Beete Patenschaften übernommen worden. Doch heute passiert da leider nicht mehr viel.“ Logisch, dass da die Gedanken irgendwie kreisen.  „Da sind Vereine, Nachbarschaften und Bürger gefragt, wenn es zum Beispiel um die Pflege des neugestalteten Katharinenplatzes geht“, so Frenster. Armin Klaverkamp ergänzt: „Zudem muss das Konzept der Bepflanzung und vor allem der Bewässerung gut ausgebaut werden. Sinnvoll wäre es da, dass, gerade auch angesichts der Trockenheit, schon bei den Planungen über die Möglichkeiten der Bewässerung nachgedacht wird und diese dann auch geschaffen werden“.

Die richtige Motivation

Den Heimatvereinsmitgliedern ist an dieser Stelle durchaus bewusst, dass es mit einer Gestaltung alleine nicht getan ist, um Ascheberg attraktiver zu machen. Denn die eigentliche Arbeit folgt im Anschluss. „Wenn es um die Pflege geht“, betonen Klaverkamp und Frenster. Da sind viele Hände nötig. Die nächste Frage, die sich stellt: Wie motiviert man die Menschen zum Mitmachen? Auf diese Frage hätte Heinz Frenster sogar schon eine Antwort: „Man könnte einen Wettbewerb ausrufen, wenn es um öffentliche Beete geht. Da könnte man das Schönste prämieren“. Es ist eine mögliche Idee.

Fest steht, es wartet viel Arbeit, wenn es um die Dorfverschönerung geht. Dabei muss ein Schritt nach dem anderen getan werden. Der Auftakt wird am 29. Juli gemacht. Dann nämlich wird das Geheimnis gelüftet, wer mit den Planungen der Neugestaltung beauftragt wird.

Der Heimatverein Ascheberg, wie gesagt, der geht sogar weiter und macht sich schon jetzt Gedanken, wie es in Ascheberg in Zukunft aussehen wird. Tina Nitsche

 

Info:
Vereine, Nachbarschaften, Bürger, die sich bei der Pflege der neugestalteten Plätze einbringen möchten, die dürfen sich gerne schon jetzt beim Heimatverein Ascheberg unter info@heimatverein-ascheberg.de melden. Denn, von alleine wird das Dorf nicht schön. Das funktioniert nur, wenn eine möglichst große Gemeinschaft mitwirkt.

Mäusebuch erfreut nicht nur Kinderherzen

Mäusealarm bei Familie Ringelkamp

Den Shutdown in der Coronazeit hat die Herbernerin Kerstin Ringelkamp dazu genutzt um für ihre Tochter Mila Bilder von Familie Maus zu malen. Jetzt gibt es ein 48 seitiges Buch mit kleinen passenden Geschichten der Mäusefamilie.

Jeden Tag nahm Mama Kerstin ihre Stifte zur Hand und zeichnete filigrane Mäuse in alltäglichen Situationen. Die vierjährige Mila durfte natürlich Wünsche äußern, die dann auch meistens umgesetzt wurden. Situationen wurden teilweise fotografiert und dann nachgemalt. „Damit es gezeichnet dementsprechend realistisch aussieht“, erklärt Ringelkamp. Gerade für Kinder im Kindergartenalter ist das Buch mit den farbenfrohen Bildern sehr gut zu betrachten und zu verstehen. Die beiden großen Kinder der Familie, Lea (16) und Malik (12) hatten im Laufe der Zeit ebenfalls Freude an dem Projekt. Irgendwann kam die Frage auf, was man mit der ganzen Papierflut macht?

„Dann kam die Idee alles in einem Buch zusammenzufassen“, sagt Kerstin Ringelkamp. Mit Hilfe ihres Mannes Kai, der Mediengestaltung gelernt hat wurden die Bilder zunächst digitalisiert und drucktauglich gemacht. Kurzgeschichten unter den jeweiligen Bildern runden das ganze Werk ab. Anfang der Ferien sind die fertigen Bücher im Hause Ringelkamp eingetrudelt. Als Mila „ihr“ Buch das erste Mal in den Händen gehalten hat war die vierjährige richtig stolz, erzählt Mama Kerstin. Mittlerweile hat die Herbernerin schon eine kleine Fan-Gemeinde im Bekannten- und Freundeskreis aber auch in der Kita, die sich genauso auf das Buch freuen wie Tochter Mila. Das Buch kann für einen 8,50 Euro über das Kontaktformular auf der Homepage von Kerstin Ringelkamp: www.kerstin.ringelkamp.de erworben werden. Isabel Schütte

Und tschüss…..

… Sylt bis zum nächsten Mal

Der Urlaub ist zu Ende und damit auch zunächst die Geschichten in meiner Sylt Kolumne.  Ich hoffe, ich habe euch nicht zu sehr mit meinen Camping Geschichten genervt. Vielleicht habe ich den DAHeim-Gebliebenen ja ein bisschen Inselflair in die heimischen vier Wände gezaubert. Ansonsten ein kleiner Tipp: Ab auf diese Insel!

Familie Camper habe ich nicht verabschiedet. Beim Auschecken haben wir auf jeden Fall gesagt, dass wir uns im nächsten Jahr andere Nachbarn wünschen. Manchmal passt es und manchmal eben nicht. Ist ja wie im normalen Alltag auch.

Etwas Wehmut ist beim Abschied natürlich dabei, aber ich freue mich auch auf zu Hause. Danke an meine Schwester, die in den 21 Tagen unsern Hamster versorgt hat. Ein großes Dankeschön geht auch an meine Tina, die jeden Tag brav meine Beiträge hochgeladen hat. Ich sag Tschüss, wir sehen uns. Isabel Schütte

Einhorn gesichtet!

Der Urlaub neigt sich dem Ende zu und das Wetter wird immer besser. Wir bleiben jetzt auch noch einen Tag länger😂. Zu Hause ist ja auch nix los.  Familie Camper hat Besuch aus Garmisch-Partenkirchen bekommen.  Hannes heißt der nette Herr und musste sich vier Minuten lang desinfizieren, bevor er den Nachbarplatz betreten durfte. Wie immer stand deren Frühstückstisch fast unter unserer Markise.  Frau Camper war ganz aufgeregt und hat voll auf Corona Hygiene Maßnahmen gemacht, dass sie aber ihre Plastik-Hundekotbeutel täglich auswaschen und an der Wäscheleine trocknen, dass weiß Hannes sicherlich nicht. Wenn ich eins nach dem Urlaub nicht vermisse dann diese Familie!

Heute morgen um fünf  Uhr war der zweite Termin mit Inselfotograf Ralf Meyer. Wir sind dieses Mal zum Ellenbogen nach List gefahren und haben  dort beim Sonnenaufgang freie Sicht auf den Sylter Leuchtturm gehabt. Die Speicherkarte hatte dieses Mal dann auch  mit im Gepäck.

Beim anschließende Strandtag in Hörnum haben wir uns die Sandvorspülungen angeschaut, die zur Zeit dort vorgenommen werden. Sturmfluten und Brandung tragen jedes Jahr bis zu vier Meter Strand an der Westseite der Insel ab. Die Insel verliert dadurch jedes Jahr rund eine Million Kubikmeter Sand.

Ein Verlust, der durch diese Küstenschutzmaßnahme wieder ausgeglichen wird. Etwa acht Kilometer vor der Inselküste wird der Sand durch ein Spülschiff, auch Hopperbagger genannt, an Bord gesaugt. Anschließend fährt das Schiff fast bis auf einen Kilometer an die Küste heran, wo es das schwimmende Ende der Spülleitung aufnimmt und das Sand-Wasser-Gemisch an den Sylter Strand pumpt, wo er mit Planierraupen verteilt wird.

Insgesamt rund sechs Monate im Jahr fährt das Schiff rund um die Uhr hin und her, um etwa sechs Mal am Tag Sand an den Strand zu spülen. Von 1972 bis 2018 wurden so bereits rund 50,7 Mio. Kubikmeter Sand aufgespült. Das Spektakel könnt ihr euch mal in dem kleinen Video anschauen.

Als ich dann am späten Nachmittag ein Einhorn und einen  Pfau am Strand gesehen habe, wurde es Zeit zu gehen.  Der Abend wird heute mit leckeren Cocktails ausklingen. Ich trinke einen für euch mit, versprochen!  Isabel Schütte