„Wenn jeder ein bisschen tut…“ – Zwei Frauen mit einem Ziel

Jutta Nowak und Steffi Stöppler planen ein besonderes Projekt

ASCHEBERG. Zugegeben, diese Corona-Pandemie beeinflusst ja irgendwie schon unser Leben. Vieles ist anders, aber diese ungewöhnliche Zeit hat durchaus auch bewirkt, dass die Menschen andere Wege beschreiten. Denn so manches ist einfach nicht mehr möglich. Auch Jutta Nowak weiß ein Lied davon zu singen. Die ehrenamtliche Arbeit für hilfebedürftige Menschen ist ihr eine Herzensangelegenheit. „Nur in diesem Jahr, ist irgendwie alles anders“, sagt sie. Sie unterstützt viele Institutionen und Menschen, wie u.a.  das Werkhaus St. Georg oder die Ascheberger Tafel. Und sie hat auch die Auswirkungen der Corona-Krise fest im Blick. „Vor allem die Altersarmut nimmt zu. Hart betroffen sind davon vor allem Frauen“. Sie selbst kennt die Schwierigkeiten und aus eigener Erfahrung weiß sie, „wie knapp es dabei oft am Ende des Monats wird.“ Und obwohl sie selbst nicht viel hat, teilt sie gerne und engagiert sich mit Herzblut. Denn ihre ehrenamtliche Tätigkeit birgt auch für sie Vorteile. „Man bleibt mit den Menschen in Verbindung, nimmt am Leben teil und bewirkt Gutes“, beschreibt sie ihren Antrieb.

Als dann im März der Lockdown kam, stand auch sie vor der Frage: „Was mache ich jetzt?“ „Gerade für ältere Menschen hatte diese Phase ja auch Isolation zur Folge“, unterstreicht Jutta Nowak. Sie selbst hatte die Wahl zwischen „vorm Fernseher kleben oder etwas tun“. Sie entschied sich für Zweiteres und aktvierte nicht nur ihre Nähmaschine, sondern auch viele andere Frauen. Die Idee: „Wir können die Zeit ja schon einmal nutzen, um etwas für den Weihnachtsmarkt zu produzieren. Der Erlös soll bedürftigen Menschen zu Gute kommen.“

Lauter Unikate

Mir ihrer Idee rannte sie offene Türen ein. Fortan ratterten bei vielen Frauen die Nähmaschinen, klapperten die Stricknadeln oder es wurde Seife angesetzt. Auf diese Weise entstanden Platzsets, Kissenbezüge, selbst gesiedete mit natürlicher Wolle ummantelte Seifen, Duftsäckchen mit natürlichen Kräutern und vieles mehr. All diese Werke eint eines: Jedes ist ein Unikat, jedes ist handgemacht. Und das aus Stoffen wie reines Leinen oder 100 Prozent Baumwolle. Denn die Nachhaltigkeit hatten die Damen fest im Blick. Auch bei den Körnerkissen, deren Füllung aus Biokörnern besteht. Gleichzeitig erzählen gerade Platzsets und Kissenhüllen zudem ihre eigenen Geschichten. Wie? Durch ihre ungewöhnlichen Verzierungen, zum Beispiel mit Brüsseler Spitze oder Bordüren aus Spanien.

Eine Tatsache, die Steffi Stöppler besonders ins Auge stach. Denn der Umgang mit Stoffen ist schließlich das erklärte Metier ihrer Familie, die sich seit vielen Jahrzehnten als Raumgestalter Stöppler einen guten Namen gemacht hat.

Es war also irgendwie kein Zufall, dass die beiden Frauen nun zu einem besonderen Projekt zusammengefunden haben. Jutta Nowak ist dafür dankbar. „Denn wir haben so viel produziert, doch dann kam eine Absage nach der anderen für alle möglichen Märkte, auf denen wir unsere selbstgefertigten Waren anbieten wollten.“ Also hieß es wieder einmal: Umdenken und andere Wege finden.

Die Corona Zeit aht Jutta Nowak kreativ genutzt. Entstanden sind viele Dinge, alle mit dem Prädikat „Handmade“ und dafür, um bedürftige Menschen zu unterstützen. Foto: Tina Nitsche

Und eben dieser neue Weg führte Jutta Nowak zu Steffi Stöppler. Die Geschäftsfrau ist begeistert über das Engagement von Jutta Nowak für hilfsbedürftige Menschen. Da weder ein Markt noch die Italienische Nacht in diesem Jahr möglich sind, bieten Steffi Stöppler und ihr Mann Bernd nun in ihrem Ascheberger Geschäft an der Biete 2b, eine besondere Möglichkeit. Sie funktionieren einen Teil ihres Ladens zu einer kleinen ungewöhnlichen Marktfläche um, wo die selbstgefertigten Dinge vier Wochen lang zu den Geschäftszeiten ins richtige Licht gerückt werden.

Am eigentlichen Tag der Italienischen Nacht geht’s los

Und an dem Tag, an dem eigentlich die Italienische Nacht steigen würde, geht es dann los. „Denn ab Freitag, den 14. August, können alle, die dieses Projekt unterstützen möchten und Wert auf nachhaltige Dinge legen, die selbstgefertigten Produkte bei uns erwerben. Wir geben das Geld dann an Jutta Nowak weiter, die damit die Ascheberger Tafel, das Werkhaus St. Georg und hilfsbedürftige Menschen unterstützt“, so Steffi Stöppler.

Sie selbst unterstützt diese Idee nur allzu gerne. „Denn vielen von uns geht es ja noch irgendwie gut, doch es gibt immer mehr Menschen, die finanziell wirklich schlecht aufgestellt sind und die Hilfe benötigen. Wenn da jeder nur ein bisschen tut, dann würde es allen ein bisschen besser gehen.“ Gleichzeitig ist es für sie auch eine schöne Gelegenheit, ein wenig an Ascheberg zurückzugeben. „Denn wir sind hier wirklich so toll aufgenommen worden.“

Nun hoffen die beiden Damen, dass ihre Idee gut ankommt. Eine Idee, die zeigt, dass diese ungewöhnliche Zeit in der wir gerade leben, auch Gutes zu Tage fördert. Tina Nitsche

 

Info:
Die Öffnungszeiten von Raumgestalter Stöppler in Ascheberg: Dienstags und freitags von 15 Uhr bis 18 Uhr. Mittwochs und samstags von 10 Uhr bis 13 Uhr. Weitere Infos oder Termine nach Vereinbarung unter Tel. 0 25 93 – 98 898

Wer noch Wolle sowie Leinen- und Baumwollstoffe oder Handarbeitszubehör übrig hat, darf sich gerne an Jutta Nowak, Tel. 0 25 93 – 950 922 wenden.

Im Ascheberger Schaufenster der Raumgestalter Stöppler wird während des Ausstellungszeitraums auch eine Zeitgeschichte des ehrenamtlichen Engagements von Jutta Nowak präsentiert.

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