„Gespräche mit Bürgern sind unerlässlich“

Drei Fragen an Monika Verspohl

Am 13. September sind die hiesigen Kommunalwahlen. Dabei wird in der Gemeinde Ascheberg auch das Amt des Bürgermeisters neu besetzt.

Mit Thomas Stohldreier und Monika Verspohl gehen für die Nachfolge von Dr. Bert Risthaus gleich zwei Kandidaten ins Rennen. Wir haben beiden Kandidaten unabhängig voneinander drei Fragen gestellt. Wie Monika Verspohl diese Fragen beantwortet, das lest Ihr hier:

DAHeim: „Wie können Sie sich eine Transparenz bei Verwaltungsabläufen für  die Bürger vorstellen?“

Monika Verspohl: „Ich möchte möglichst alle Menschen in Ascheberg, Davensberg und Herbern erreichen. Dafür gibt es verschiedene Wege. Einfach und unkompliziert ist z. B. ein digitaler Newsletter, der Bürgerinnen und Bürger u. a. über aktuelle Vorgänge/Themen in der Verwaltung, Ratsbeschlüsse und Termine in den drei Orten informiert.

Darüber hinaus ist eine gute Pressearbeit nötig und eine Homepage der Gemeinde, die Prozesse und Planungen der Verwaltung transparent und übersichtlich darstellt. Und bei wichtigen Entscheidungen sind aus meiner Sicht Gespräche mit den betroffenen Bürgern und Bürgerinnen unerlässlich – sei es nun in einer kleinen Runde in Sprechstundenform oder bei einer größeren Versammlung.“

 

DAHeim : „Wie möchten Sie zukünftig das Wohnen und Arbeiten in der    Gemeinde gestalten?“

Monika Verspohl: „Zunächst einmal ist es wichtig, dass es für jede Lebenssituation und jeden Geldbeutel passenden Wohnraum gibt. Das lässt sich auf unterschiedlichen Wegen erreichen – neuer Wohnraum kann sowohl in Neubaugebieten als auch im Bestand durch Um- und Ausbau entstehen. Dafür möchte ich gerne eine kommunale Beratungsstelle schaffen, an die sich Bürgerinnen und Bürger beim Thema Wohnen wenden können, z. B. wenn ihr Einfamilienhaus zu groß geworden ist und sie es gerne zu einem Zweifamilienhaus umbauen würden.

Beim Aspekt Arbeit ist es von essenzieller Bedeutung, die ortsansässigen Unternehmen zu unterstützen und ihnen gerade jetzt in der Krise zu helfen. Außerdem muss die Gemeinde ein attraktiver Wirtschaftsstandort bleiben.“

 

DAHeim: „Welche Projekte könnten Sie sich zum Thema Umwelt-/Klimaschutz in der Gemeinde Ascheberg vorstellen?“

Monika Verspohl: „Ich denke, dass es eine Mischung aus kleinen, leicht umzusetzenden Maßnahmen und größeren, langfristig anlegten Projekten sein muss. Mehr Grünflächen für Artenvielfalt und eine grüne Verwaltung, die in Sachen Umweltschutz mit gutem Beispiel vorangeht, sind recht schnell zu realisieren.

Größere Ziele sind z. B. eine Stärkung des Fahrradverkehrs sowie des ÖPNV, um Autofahrten so gut es geht überflüssig zu machen, sowie der Ausbau von Photovoltaik-, Solar- und Windkraftanlagen zur Energiegewinnung.“

 

Foto/Interview: Tina Nitsche

Spannungsgeladener Abend

Eine Gemeinde liest: Sonja Schober servierte in der Hundeschule Kehrmann einen ungewöhnlichen Thriller

ASCHEBERG. Die Gäste durften sich am Freitag „auf eine Wiederholungstäterin freuen“, so kündigte Marie-Luise Koch (Forum Toruismus Kultur) Vorleserin Sonja Schober im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Eine Gemeinde liest“ in der Hundeschule Kehrmann an.

Und die hatte mächtig viel Spannung im Gepäck. Alleine der Titel „Anonym“ des Werkes von Ursula Ponanzki und Arno Strobl war schon vielversprechend. Ein Buch, das nicht nur von zwei Autoren geschrieben worden ist, sondern die Charaktere, hier spielen die Kommissare Daniel Buchholz und Nina Salomon die Hauptrolle, auf besondere Weise darlegt. Denn mal sind Handlungen aus Sicht der Kommissarin, dann die gleiche Handlung aus Sicht des Kommissars geschrieben.

Könnte langweilig werden? „Zugegeben, da war ich auch erst skeptisch“, gab Sonja Schober zu und belehrte die 21 Gäste, die  im Garten der Hundeschule Kehrmann zusammentrafen, dann schnell eines Besseren. Und richtig genug, die Zuhörer hingen gebannt an ihren Lippen und lernten die Protagonisten durch den ungewöhnlichen Erzählstil bestens kennen.

Denn wer könnte die Kollegen schon besser beschreiben, als die Kollegen selber? Schnell erfuhren die Gäste, dass es sich beim Kommissar Daniel Buchholz um einen Typen in Designerkleidung handelt. Aus Sicht seiner Kollegin wohl eher Modeopfer. Er beschreibt sie hingegen als zupackend (erstaunlich fester Händedruck) mit guter Beobachtungsgabe, aber dennoch nicht gerade super sympathisch. Die Geschichte besteht aus einzelnen Kapiteln. Dank der Perspektive hatten die Zuhörer Einsicht in die Gedanken der Akteure. Dadurch wirkte die Story persönlicher. Soweit so gut. Mit der unterhaltsamen Vorstellung des Ermittlerteams, die übrigens an einem Tatort zusammentreffen, endete Teil eins der Lesung.

Sonja Schober begeisterte mit dem Werk Anonym im Rahmen einer Gemeinde liest in der Hundeschuhle Kehrmann. Fotos: Tina Nische

Nach einer kurzen Pause ging es dann weiter. Sonja Schober entführte ihre Zuhörer in die Tiefen des Darknet. Und da spielt die Anonymität natürlich eine große Rolle. Spannungsgeladen ging es weiter. Passend dazu wechselten die Gäste und die Vorleserin von draußen in die Halle. Denn am Himmel zogen dunkle Wolken auf. Es schien fast so, als kündigten sie Schockierendes an. In der Tat, das Spannungsbarometer stieg.

In den Tiefen des Darnet

Denn die ausgeblutete Leiche eines Anwalts, ist nur der Anfang des ersten gemeinsamen Falles von Nina Salomon und Daniel Buchholz.  Schnell wird bekannt, dass Mitglieder eines Forums im Darknet, jenem schwer zugänglichen Teil des Internets, abstimmen konnten, welcher von vier Kandidaten sterben sollte. Und die nächste Abstimmungsrunde läuft schon … Die erleben die beiden Kommissare hautnah mit.

Die Gäste tauchten ein ins Geschehen, denn Schober verstand es, fesselnd und mitreißend vorzulesen. Es war ein spannungsgeladener Abend, den Sonja Schober den Zuhörern im Rahmen von einer Gemeinde liest, da servierte. Und so mancher wollte wissen, wie diese Geschichte endet. Und so wird wahrscheinlich der ein oder andere ihrer Empfehlung nachkommen und das ganze Buch lesen. Tina Nitsche

Gesundheitsminister Jens Spahn: Hoher Besuch auf Schloss Westerwinkel

HERBERN. Das akademische Viertelstündchen gönnte sich der prominente Gast, der am Montagnachmittag auf Schloss Westerwinkel erwartet wurde. Gesundheitsminister Jens Spahn kam mit Verspätung nach Herben. Dorthin hatten ihn die CDU-Gemeindeverbände Ascheberg und Nordkirchen eingeladen.

Der Grund: Zuvor war Spahn in Olfen unterwegs. Die Wartezeit überbrückte Maximilian Sandhowe, Vorsitzender CDU-Gemeindeverband Ascheberg, indem er den Bürgern, die im Schlossinnenhof Platz genommen hatten, das CDU Wahlprogramm kurz darlegte. Auch CDU-Bürgermeisterkandidat Thomas Stohldreier konnte das Warten auf den prominenten Gast dazu nutzen, sich vorzustellen.

Doch dann traf Spahn ein und den Bürgern bot sich im Laufe der Veranstaltung auch die Gelegenheit ihm Fragen zu stellen. Welche Fragen ihnen auf der Seele brannten, was Jens Spahn zu kostenlosen Corona-Tests für Auslandsurlauber sagte, wie die Teststrategie ausgelegt ist und wie es sich mit den Freiheitsbeschränkungen verhält, das liebe Leser, könnt Ihr ausführlich in Kürze hier lesen. Tina Nitsche

 

Einfach mal abtauchen….

Veranstaltungsreihe „Eine Gemeinde liest“ geht in die fünfte Runde

ASCHEBERG. Schmökern im Werkhaus, mitten auf einem Gemeinschaftsgrundstück, in der Hundeschule, auf dem Bauernhof, im Walnuss-Garten…. Was sagt uns das? Ganz einfach: Trotz Corona heißt es ab Morgen wieder: Eine Gemeinde liest.

Und dabei gibt es bei dem seinerzeit von den Mitgliedern des Forums Tourismus Kultur imitierten Spektakel in diesem Jahr sogar eine Besonderheit. Die beliebte Veranstaltung geht nämlich in die fünfte Runde. Ein kleines Jubiläum also. Und das mitten in einem denkwürdigem Jahr. Schließlich ist 2020 von der Corona-Krise geprägt. Viele Veranstaltungen mussten abgesagt werden. Aber die illustre Leserunde nicht. Die findet statt, wenngleich dabei vieles nicht so sorglos ist wie sonst.

Traditionell hätte die erste Lesung im Rahmen der Italienischen Nacht bei Bücher Schwalbe stattgefunden. Aber die Italienische Nacht fällt aus. „Und bei Bücher Schwalbe ist das mit den Abständen so eine Sache“, erklärt Anke Richter-Weiß, Vorsitzende des Forums Tourismus Kultur. Denn diese müssen in Corona-Zeiten selbstverständlich eingehalten werden. Deshalb finden alle Lesungen draußen statt. „Da können wir Abstände einhalten und müssen dann auch nicht alle eine Maske tragen. Das ist ja gerade bei diesen Temperaturen nicht so angenehm“, so Richter-Weiß. Dennoch macht sie deutlich, wenn es bei einer Veranstaltung zu voll wird, dass dann Masken aufgesetzt werden müssen.

Die bunte Mischung macht’s

Das Team hat einen bunten Strauß an Leseevents zusammengestellt. „Und das trotz dieser schwierigen Zeit dabei 16 Lesungen zusammenkommen, das ist echt beachtlich“, freut sich Anke Richter-Weiß. So wird die doch veranstaltungsarme Zeit auf unterhaltsame Art und Weise ein wenig aufgepeppt. Die bunte Mischung macht’s dabei. So lesen bekannte Größen wie bspw. Jutta Richter, es gehen Hobbyautoren an den Start, oder es lesen Menschen, die einfach Freude am Vorlesen haben. Genres sind dabei viele vertreten, ob Krimi, Erzählungen, Wissenswertes oder spannende Geschichten. Und natürlich passt die Lektüre immer zum Ort an dem sie vorgelesen wird.

Carmen Irmen serviert am Sonntag, 16. August, um 14 Uhr, bspw. im Walnussgarten Byinksytraße, den Genuss-Krimi „Der Wolf im Wallnussbaum“. Passt doch, oder? Angelika Ludwig und Renate Hamann hingegen warten am Sonntag, 23. August, um 19 Uhr in der Gnadenkirche mit Texten diverser Autoren auf, die den Titel tragen: „Was uns trösten kann“.

Auch in diesem Jahr gibt es zum Projekt „Eine Gemeinde liest“ wieder einen Flyer. Hier sind sämtliche Termine und Orte aufgeführt. Die Flyer liegen in Geschäften aus, sind aber auch bei Ascheberg Marketing erhältlich bzw. online veröffentlicht!

Somit dürfen wir uns alle auf einen unterhaltsamen August freuen, wenn da an unterschiedlichsten Orten geschmökert wird und die Menschen dann ganz entspannt jeweils für eine kurze Zeit in andere Welten eintauchen können. Und das tut gerade in Zeiten wie diesen doch gut, oder? Tina Nitsche

„Wenn jeder ein bisschen tut…“ – Zwei Frauen mit einem Ziel

Jutta Nowak und Steffi Stöppler planen ein besonderes Projekt

ASCHEBERG. Zugegeben, diese Corona-Pandemie beeinflusst ja irgendwie schon unser Leben. Vieles ist anders, aber diese ungewöhnliche Zeit hat durchaus auch bewirkt, dass die Menschen andere Wege beschreiten. Denn so manches ist einfach nicht mehr möglich. Auch Jutta Nowak weiß ein Lied davon zu singen. Die ehrenamtliche Arbeit für hilfebedürftige Menschen ist ihr eine Herzensangelegenheit. „Nur in diesem Jahr, ist irgendwie alles anders“, sagt sie. Sie unterstützt viele Institutionen und Menschen, wie u.a.  das Werkhaus St. Georg oder die Ascheberger Tafel. Und sie hat auch die Auswirkungen der Corona-Krise fest im Blick. „Vor allem die Altersarmut nimmt zu. Hart betroffen sind davon vor allem Frauen“. Sie selbst kennt die Schwierigkeiten und aus eigener Erfahrung weiß sie, „wie knapp es dabei oft am Ende des Monats wird.“ Und obwohl sie selbst nicht viel hat, teilt sie gerne und engagiert sich mit Herzblut. Denn ihre ehrenamtliche Tätigkeit birgt auch für sie Vorteile. „Man bleibt mit den Menschen in Verbindung, nimmt am Leben teil und bewirkt Gutes“, beschreibt sie ihren Antrieb.

Als dann im März der Lockdown kam, stand auch sie vor der Frage: „Was mache ich jetzt?“ „Gerade für ältere Menschen hatte diese Phase ja auch Isolation zur Folge“, unterstreicht Jutta Nowak. Sie selbst hatte die Wahl zwischen „vorm Fernseher kleben oder etwas tun“. Sie entschied sich für Zweiteres und aktvierte nicht nur ihre Nähmaschine, sondern auch viele andere Frauen. Die Idee: „Wir können die Zeit ja schon einmal nutzen, um etwas für den Weihnachtsmarkt zu produzieren. Der Erlös soll bedürftigen Menschen zu Gute kommen.“

Lauter Unikate

Mir ihrer Idee rannte sie offene Türen ein. Fortan ratterten bei vielen Frauen die Nähmaschinen, klapperten die Stricknadeln oder es wurde Seife angesetzt. Auf diese Weise entstanden Platzsets, Kissenbezüge, selbst gesiedete mit natürlicher Wolle ummantelte Seifen, Duftsäckchen mit natürlichen Kräutern und vieles mehr. All diese Werke eint eines: Jedes ist ein Unikat, jedes ist handgemacht. Und das aus Stoffen wie reines Leinen oder 100 Prozent Baumwolle. Denn die Nachhaltigkeit hatten die Damen fest im Blick. Auch bei den Körnerkissen, deren Füllung aus Biokörnern besteht. Gleichzeitig erzählen gerade Platzsets und Kissenhüllen zudem ihre eigenen Geschichten. Wie? Durch ihre ungewöhnlichen Verzierungen, zum Beispiel mit Brüsseler Spitze oder Bordüren aus Spanien.

Eine Tatsache, die Steffi Stöppler besonders ins Auge stach. Denn der Umgang mit Stoffen ist schließlich das erklärte Metier ihrer Familie, die sich seit vielen Jahrzehnten als Raumgestalter Stöppler einen guten Namen gemacht hat.

Es war also irgendwie kein Zufall, dass die beiden Frauen nun zu einem besonderen Projekt zusammengefunden haben. Jutta Nowak ist dafür dankbar. „Denn wir haben so viel produziert, doch dann kam eine Absage nach der anderen für alle möglichen Märkte, auf denen wir unsere selbstgefertigten Waren anbieten wollten.“ Also hieß es wieder einmal: Umdenken und andere Wege finden.

Die Corona Zeit aht Jutta Nowak kreativ genutzt. Entstanden sind viele Dinge, alle mit dem Prädikat „Handmade“ und dafür, um bedürftige Menschen zu unterstützen. Foto: Tina Nitsche

Und eben dieser neue Weg führte Jutta Nowak zu Steffi Stöppler. Die Geschäftsfrau ist begeistert über das Engagement von Jutta Nowak für hilfsbedürftige Menschen. Da weder ein Markt noch die Italienische Nacht in diesem Jahr möglich sind, bieten Steffi Stöppler und ihr Mann Bernd nun in ihrem Ascheberger Geschäft an der Biete 2b, eine besondere Möglichkeit. Sie funktionieren einen Teil ihres Ladens zu einer kleinen ungewöhnlichen Marktfläche um, wo die selbstgefertigten Dinge vier Wochen lang zu den Geschäftszeiten ins richtige Licht gerückt werden.

Am eigentlichen Tag der Italienischen Nacht geht’s los

Und an dem Tag, an dem eigentlich die Italienische Nacht steigen würde, geht es dann los. „Denn ab Freitag, den 14. August, können alle, die dieses Projekt unterstützen möchten und Wert auf nachhaltige Dinge legen, die selbstgefertigten Produkte bei uns erwerben. Wir geben das Geld dann an Jutta Nowak weiter, die damit die Ascheberger Tafel, das Werkhaus St. Georg und hilfsbedürftige Menschen unterstützt“, so Steffi Stöppler.

Sie selbst unterstützt diese Idee nur allzu gerne. „Denn vielen von uns geht es ja noch irgendwie gut, doch es gibt immer mehr Menschen, die finanziell wirklich schlecht aufgestellt sind und die Hilfe benötigen. Wenn da jeder nur ein bisschen tut, dann würde es allen ein bisschen besser gehen.“ Gleichzeitig ist es für sie auch eine schöne Gelegenheit, ein wenig an Ascheberg zurückzugeben. „Denn wir sind hier wirklich so toll aufgenommen worden.“

Nun hoffen die beiden Damen, dass ihre Idee gut ankommt. Eine Idee, die zeigt, dass diese ungewöhnliche Zeit in der wir gerade leben, auch Gutes zu Tage fördert. Tina Nitsche

 

Info:
Die Öffnungszeiten von Raumgestalter Stöppler in Ascheberg: Dienstags und freitags von 15 Uhr bis 18 Uhr. Mittwochs und samstags von 10 Uhr bis 13 Uhr. Weitere Infos oder Termine nach Vereinbarung unter Tel. 0 25 93 – 98 898

Wer noch Wolle sowie Leinen- und Baumwollstoffe oder Handarbeitszubehör übrig hat, darf sich gerne an Jutta Nowak, Tel. 0 25 93 – 950 922 wenden.

Im Ascheberger Schaufenster der Raumgestalter Stöppler wird während des Ausstellungszeitraums auch eine Zeitgeschichte des ehrenamtlichen Engagements von Jutta Nowak präsentiert.

Lebensmittel werden knapp

Ascheberger Tafel: Warum Reinhard „Opa“ Feldmann sein Ehrenamt so mag

ASCHEBERG/HERBERN. Wenn diese Zeiten eines deutlich machen, ist es die Tatsache, dass vieles schwerer geworden ist. Auch für Einrichtungen, wie die Ascheberger Tafel, die sich dem Ehrenamt verschrieben haben. „Da fehlt es momentan leider an vielem“, gibt Eddi Lütteke zu. So sind frisches Gemüse, Obst, Kartoffeln aber auch haltbare Lebensmittel wie Nudeln oder Reis derzeit Mangelware. „Früher hatten wir Unmengen an Obst und Gemüse, jetzt fast nichts mehr“, machen Lütteke und Hanna Schlinge deutlich.

Der Ascheberger Tagel fehlt es vor allem an Obst und Gmemüse.

Die Corona Krise beschert der Einrichtung auf der anderen Seite jedoch steigende Bedarfsgemeinschaften und damit auch arbeitstechnisch einen Mehraufwand. „Wir benötigen dringend Fahrer zur Verstärkung unseres Teams“, sagt Eddi Lütteke und fügt an: „Das dürfen gerne auch Frauen sein.“ Der Zeitaufwand ist dabei nicht festgeschrieben. „Da kann jeder so helfen, wie er Zeit hat. Egal ob zwei, drei oder fünf Stunden“, erläutert Eddy Lütteke. Gesucht werden Helfer für folgende Tage: montags, mittwochs und donnerstags.

Dringend werden zudem Helfer für das Sortieren von Waren gesucht. „Auch hier gilt: Wir freuen uns über jeden der Zeit hat und uns hilft“, betont Hannah Schlinge.

Der Stellenwert des Euros

Einer, der zwar nicht soviel Zeit hat, aber trotzdem gerne hilft ist Reinhard „Opa“ Feldmann. Sein Ansporn? „Ganz einfach, man selbst lebt als Rentner, der zudem noch in seinem Job weitermachen darf, ja in einer recht komfortablen Zone“, sagt der Herberner und fügt an: „Da gebe ich doch gerne etwas zurück“. Es sei natürlich viel einfacher zu sagen, ich spende 100 Euro, „aber es ist ein Luxusproblem nichts zu machen“. Er selbst hilft da von Herzen gerne. Auch weil er sich seine Zeit, die in seinem Falle begrenzt ist, einteilen kann. Was ihn fasziniert bei seinem Ehrenamt verrät er gerne. „Es ist die Dankbarkeit der Menschen, die zur Tafelausgabe kommen.“ Ihm ist bei seiner Arbeit dort vor allem eines deutlich geworden: „Der Stellenwert des Euros. Es ist so gravierend wie unterschiedlich der Stellenwert von nur einem Euro ist. Für viele Menschen ist das wenig, für andere Menschen hingegen ist das viel.“

Eine Spende

Er selbst zählt alterstechnisch zur Corona-Risikogruppe. Und da hatten vor allem seine Kinder ein wenig Sorgen angesichts seines ehrenamtlichen Engagement bei der Tafelausgabe in Herbern. „Diese Bedenken habe ich aber auflösen können“, so „Opa“ Feldmann. Zum einen sei er gesund, zum anderen weiß er wie umsichtig das Ascheberger Tafel-Team mit der Situation umgeht. „Da wird hinsichtlich Desinfektion, Abstand und Einhaltung der Maskenpflicht echt gut vorgesorgt.“ Selbst die polsterbezogenen Stühle hat das Tafelteam aus dem Verkehr gezogen. „Die sind nun mal nicht einfach zu desinfizieren“, so Hannah Schlinge. Doch eine Sitzmöglichkeit für die Kunden musste trotzdem her.

„Opa“ Feldmann ist eingesprungen und spendierte zur Freude des Tafelteams zwei neue Bänke. Eine große Sache macht er daraus nicht. „Es wurden Sitzgelegenheiten benötigt, die den erforderlichen Hygienestandarts entsprechen mussten“.

Ehrenamt bei freier Zeiteinteilung

Zeit, um sich länger mit der Spende aufzuhalten hat er nicht. „Heute ist Donnerstag und für mich bedeutet das Helfen bei der Tafel“, sagt er. Er tut das von Herzen gerne, „Wie gesagt, ich bin gesund, und diese Tätigkeit bietet mir Flexibilität. Wenn ich mal nicht kann, ist das nicht so schlimm. Aber das ist eher die Ausnahme, denn es sind ja jetzt nicht Unmengen an Stunden, die ich hier absolviere. Ich kann also meine Termine diesem Ehrenamt anpassen.“ Hanna Schlinge und Eddi Lütteke sind dankbar für diese Unterstützung und hoffen, dass sich noch mehrere Helfer finden. Denn die Zeiten sind alles andere als einfach. Ein deutlicher Wandel ist jetzt schon zu spüren. „Und es steht zu befürchten, dass die Zahl der Tafelgänger noch weiter ansteigt“, so Schlinge und Lütteke abschließend. Tina Nitsche

Info:

Wer die Ascheberger Tafel in  Ascheberg oder Herbern als Fahrer oder beim Sortieren von Warn unterstützen möchte kann sich bei  Hanna Schlinge, Tel. 0160- 952 564 36 oder bei Eddi Lütteke, Tel.  0171- 687 374 5 melden

Jeder Tag ist anders: Arbeit mit Menschen fasziniert

Über den Bundesfreiwilligendienst zum Traumberuf

ASCHEBERG. Angefangen hat alles mit einer kleinen Anzeige. „Da wurde beim Sozialwerk St. Georg jemand für den Bundesfreiwilligendienst in der Reittherapie Ascheberg gesucht“, erzählt Berfin Köruk. Für die 23-jährige war das der Auftakt zu viel viel mehr.

Sie hatte damals gerade erfolgreich ihr Fachabi im Bereich Gesundheit und Soziales absolviert. „Allerdings wusste ich da noch nicht so genau, wohin es beruflich für mich gehen soll.“ Dann entdeckte sie die Anzeige und bewarb sich. „Es war passend, denn ich reite schon lange.“ Sie startete als Bufti auf dem Bauernhof St. Georg in Ascheberg und sagt heute: „Dieses Jahr hat mir so viel gebracht, vor allem aber hat es mir bei der beruflichen Entscheidungsfindung geholfen.“

Berfin Körkuk hat erfolgreich ihre Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin auf dem Bauernhof St. Georg absolviert. Foto: Tina Nitsche

Nach dem freiwilligen Jahr blieb sie auf dem Bauernhof St. Georg. Sie trat dort ihre dreijährige Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin an, die sie nun erfolgreich bestanden hat. „Gott sei Dank“, sagt sie und atmet lächelnd auf. Denn die letzten Meter bis zu Prüfung waren alles andere als ein Spaziergang. Corona hat es ihr, den Mitschülern aber auch dem zweiten Auszubildenden auf dem Bauernhof St. Georg, Andreas Krasenbrink, nicht gerade leicht gemacht.

Kein Spaziergang

„Vor allem in den Prüfungsvorbereitungen waren wir auf uns allein gestellt“, erzählt Berfin Köruk. „Da bedurfte es ganz viel Disziplin und Selbstständigkeit, denn die Anleitung in der Schule fehlte“, fährt sie fort. Doch die Mühen haben sich ausgezahlt. Berfin und Andreas bestanden ihre Prüfungen. Ihre Praxisanleiterinnen Mareike Krumminga und Katharina Kottmeyer sowie Monika Urkötter (Fachbereichsleitung) waren stolz. „Da ist dann irgendwie eine Last von den Schultern gefallen“, gibt die 23-jährige, die übrigens in Lüdinghausen wohnt, zu. Denn Anspannung war da. „Vor allem beim Colloquium, der mündlichen Prüfung“, verrät die junge Frau. Da wurde ihr sofort mitgeteilt, dass sie bestanden hatte, „und genau da fiel dann die ganze Anspannung ab.“

Geschäftsführer Andreas Friedrich, Praxisanleiterin Mareike Krumminga (v.l‘) sowie Katharina Kottmeyer (2.v.r.) und Regionalleiter Johannes Wilhelm Feller(r.) gratulierten Berfin Körük (3.v.l.) und Andreas Krasenbrink (3.v.r.) zu deren erfolgreich bestandenen Ausbildung. Foto: Sozialwerk St. Georg

Während Andreas nun in einer anderen Einrichtung Berufserfahrung sammelt, geht es für Berfin auf dem Bauernhof St. Georg weiter. „Ich darf nun eine Krankheitsvertretung übernehmen“.  Darüber freut sie sich sehr. „Denn ich habe das Glück in einer tollen Umgebung mit einem super Team zu arbeiten“, sagt sie. Sie will nun erst einmal Erfahrungen sammeln, und dabei ist ihr eines bewusst: „Ich habe eine große Verantwortung und da gilt es jetzt sattelfest zu werden.“

Traumberuf gefunden

Berfin liebt ihren Beruf schon jetzt, Wochenend- oder Schichtarbeit stören sie nicht im Geringsten. „Mein Beruf ist so abwechslungsreich, jeder Tag ist anders, und vor allem haben wir auch kreative Freiheiten und genau das macht diese Arbeit so spannend.“  Für Berfin Köruk ist das erst der Anfang. Sie weiß schon jetzt, das Stillstand in ihrem Beruf ein Fremdwort bleibt. Vielmehr bietet er ihr die Möglichkeit sich ständig weiter zu entwickeln. „Ich kann auf meine Ausbildung aufbauen, es gibt viele Fortbildungsmöglichkeiten. Und ich habe einen Beruf, der gefragt ist, denn Fachkräfte werden gerade auf diesem Sektor immer benötigt.“

Sie freut sich nun auf ihre abwechslungsreiche Tätigkeit in Ascheberg und wagt schon eine handfeste Aussage: „Ich habe meinen Traumberuf gefunden.“ Einen, der den Auftakt mit einem Bundesfreiwilligenjahr genommen hat. Tina Nitsche

 

Info:

Junge Menschen, die es ausbildungstechnisch auch in Richtung eines sozialen Berufes zieht, dürfen sich für Infos oder Bewerbungen gerne an den zuständigen Regionalleiter des Sozialwerk St. Georg, Johannes Wilhelm Feller, Email: j.feller@sozialwerk-st-georg.de wenden.

Stillstand – Eine Zunft am Abgrund

Jacobi Kirmes: Kein Vergnügen – Schausteller bangen um ihren Berufsstand

ASCHEBERG. Es ist still im Dorf. Kein hektisches Treiben, keine Schausteller, die ihre Geschäfte aufbauen, und logischerweise keine Karussells, die sich am Wochenende drehen. Da würde die Jacobi-Kirmes beginnen. Eigentlich. Doch in diesem Jahr fehlen die vielen Zutaten, die Ascheberg drei Tage lang Kopf stehen lassen. Kein bunter traditioneller (Freichip-) Regen. Keine munteren Sprüche, mit denen die Menschen animiert werden sich in andere Welten wirbeln zu lassen. Und auch keine Klübchen die zu den traditionellen Kirmeszehnkämpfen aufbrechen.

2020 wird als das Jahr in die Ascheberger Geschichte eingehen, in dem der erklärte Höhepunkt im Veranstaltungskalender nur durch eine leere Stelle besticht. Denn die Jacobi-Kirmes ist, wie viele Veranstaltungen auch, der Corona Krise zum Opfer gefallen.

Den eingefleischten Kirmesfans tut das weh. Ganz ohne Zweifel. Doch die Schausteller treibt diese Situation in der Tat an existentielle Abgründe.

Wohin geht die Reise?

Einnahmen generieren – Fehlanzeige. Und das seit Monaten.  „Wir haben ja ein Berufsausübungsverbot von Vater Staat ereilt bekommen“, bringt es Schausteller Robert Heitmann auf den Punkt. Mit Wehmut denkt er an das bevorstehende Wochenende. „Da würde ich jetzt eigentlich in Ascheberg stehen, wie immer am letzten Wochenende im Juli“. Und das tut Robert Heitmann schon fast sein ganzes Leben lang. Denn die Jacobi-Kirmes ist fester Bestandteil seiner jährlichen Arbeitsroute. Nur in diesem Jahr nicht.

Wohin die Reise für seine Zunft gehen soll? „Ich weiß es nicht“, sagt er seufzend. Die Situation und vor allem die Zahlen sprechen da eine eigene Sprache. „Wenn die Weihnachtsmärkte nun auch nicht stattfinden dürfen, dann sehe ich schwarz“, so Heitmann und macht deutlich: „Das würde das Aus für 60 bis 70 Prozent der Kollegen bedeuten.“ Er selbst würde es vielleicht noch bis zum Frühjahr nächsten Jahres schaffen.

Dieses Bild hätte er sich an diesem Wochenende gewünscht. Doch heute ist Schausteller Robert Heitmann das Lachen vergangen. Foto: Tina Nitsche

Für ihn, der ein Mann der Traditionen ist, ist das besonders schlimm. „In diesem Jahr hätten wir eigentlich Grund zum Feiern“, sagt er leise. Denn 1820 wurde seine Familie in Herford sesshaft. Seinerzeit mit einer Bodenmühle. Die Schaustellerei ist sein Leben. „Und das Leben meiner Familie“, sagt er. Seinen Kindern hat er freigestellt, was sie nach ihrem Schulabschluss machen wollen. Seine beiden Großen haben sich nach Schule und Ausbildung für die Schaustellerei entschieden. Sie führen damit das Erbe ihrer Vorfahren fort. „Irgendwie liegt uns das schließlich im Blut.“

Für Robert Heitmann ist sein Beruf nicht einfach eine Tätigkeit, sondern Berufung. Doch er hat Angst. Angst, was aus seinem Berufsstand werden soll. Trotzdem sieht er nicht einfach hilflos zu. Nein, er versucht Wege zu finden. „Ich habe auf meinem Grundstück an den Wochenenden einen kleinen Markt aufgebaut. Hier setzen wir das geforderte Hygienekonzept um, und ich hoffe, dass wir damit zeigen können, dass auf diese Weise zumindest kleine Veranstaltungen wieder möglich werden können.“

Kampf um eine alte Tradition

Er kämpft um eine Jahrhunderte alte Tradition. So wie viele seiner Kollegen auch. „Deshalb gehen wir auch auf die Straßen, fahren kreuz und quer durch Deutschland, um bei großen Demonstrationen auf unsere Situation aufmerksam zu machen.“ Eine Situation, die an die Substanz geht. Und eine, die selbst Robert Heitmann erst vor ein paar Tagen die Tränen in die Augen getrieben hat. Da war er in Ascheberg, um für die Kolpingsfamilie Mandeln und Popcorn zu liefern.  „Anschließend habe ich in meinem Auto gesessen und geweint“, gibt er zu. Es waren Tränen der Rührung, weil die Ascheberger ihm durch ihre Kirmesaktion ein wenig Umsatz bescheren, es waren aber auch Tränen voller Wehmut, weil er an diesem Wochenende nicht auf dem Ascheberger Kirchplatz stehen und dort das tun darf, was er am besten kann: Den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern und ihnen ein paar Tage voller (Kirmes-) Freude zu schenken.

Von 100 auf Null

Anke und Frank Derleh ist das Lachen mittlerweile vergangen. Statt ihren Pizzawagen und das Ballwerfen anlässlich der Jacobi-Kirmes zu betreiben, sitzen sie zu Hause. Sind quasi von 100 auf Null katapultiert worden. „Einfach nur traurig“, sagt Anke Derleh und ihr Mann ergänzt: „Finanziell haben wir keine Möglichkeiten mehr.“ Natürlich haben sie die Soforthilfe beantragt. „Aber was sind schon die 9000 Euro, wenn alle Kosten weiterlaufen und das Monat für Monat.“

Auch für Schaustellerfamilie Derleh sind harte Zeiten angebrochen. Einziger Lichtblick: Sohn Phillipp (l.) hat Arbeit bei der Firma Alutraum in Ascheberg gefunden. Foto: Tin Nitsche
Arbeit in Ascheberg

Die Sorgen sind belastend. Froh sind die Beiden, dass zumindest ihr Sohn Philipp momentan Arbeit hat. Nicht als Schausteller. „Nein, er arbeitet in Ascheberg bei Dirk Tönies in dessen Firma Alutraum“, sagt Anke. Sie und ihr Mann hingegen sind zum Nichtstun verdonnert. Und das gefällt ihnen nicht. „Das sind wir nicht gewohnt, unser Leben ist die Reise auch wenn die sicherlich nicht immer ganz einfach ist. Aber mit der Arbeit sind wir groß geworden, so wie mit all den Höhen und Tiefen, die unser Berufsstand mit sich bringt. Aber es ist unser Beruf und den üben wir mit Herzblut aus.“ Umso trauriger sind sie, dass sie auch an diesem Wochenende zu Hause sitzen müssen. „Da wären wir eigentlich in Ascheberg. Unserem Ascheberg“, sagen sie. Viele viele Jahre kommen sie schon nach Ascheberg, um dort die größte Dorfkirmes im Münsterland zu halten. Die Derlehs verbringen sogar immer drei Wochen dort. „Und das ist etwas Besonderes für uns. Dort treffen viele Kollegen zusammen in unserem kleinen Dorf im Dorf, wie wir den schönen Wohnwagenplatz nennen.“

Quälende Sehnsucht

Vor allem Anke quält die Sehnsucht. Ascheberg ist für sie irgendwie ein Stückchen Heimat. „So gehe ich mit Natalie Strothenke dort immer zu Ullas Team zum Friseur.“ Und diesen Friseurbesuch haben sich die Beiden in der vergangenen Woche gegönnt. „Dann sind wir noch durch den Ort geschlendert, haben auch bekannte Gesichter getroffen und hatten somit wenigstens ein bisschen Ascheberg-Feeling“, erzählt Anke.  Das Schaustellerehepaar blickt einer unsicheren Zukunft entgegen, obwohl auch sie die Hände keineswegs in den Schoß legen. „Auch wir fahren zu den Demonstrationen“, so Frank Derleh, „aber leider wurden wir bis jetzt nicht richtig gehört, es ist zermürbend“, ergänzt seine Frau traurig.

Seit 20 Jahren kommt Kerstin Melcher nun mit ihrem Cocktail-Stand zur Jacobi-Kirmes nach Ascheberg. In diesem Jahr ist jedoch auch sie zum Stillstand verdonnert. Foto: Tina Nitsche

Schaustellerin Kerstin Melcher wird es ebenfalls schwer ums Herz, wenn sie an die Jacobi-Kirmes denkt. „Da wäre ich jetzt normalerweise mit meinem Cocktailstand. Ach, ich vermisse meine Klübchen und meine Ascheberger“, sagt sie. Finanziell geht es ihr nicht besser als vielen Kollegen. Erschwerend kommt hinzu, dass sie alleinerziehend ist. Aber sie ist auch eine Frau, die nicht einfach aufgibt. Natürlich hat auch sie derzeit keine Einnahmen. „Finanziell ist es ein Desaster“.

Zusammenrücken in der Krise

Aber ihren gesunden Optimismus will sie sich nicht nehmen lassen und findet schnell auch positive Aspekte: „Wir sind alle enger zusammengerückt, bauen uns gegenseitig, auf. Jeder hilft jedem“, beschreibt sie die alltägliche Situation mit Familie und Freunden. Ihre Kosten laufen jedoch wie bei allen anderen weiter. „Ich habe mein Erspartes angreifen müssen, um mich und meinen Sohn über die Runden zu bringen. Aber das ist nun aufgebraucht und da muss auch ich mir jetzt Gedanken machen….“ Den Arbeitslosengeld 2-Antrag hat sie gestellt. Die Sorgen nimmt ihr das jedoch nicht. „Denn die privaten und betrieblichen Fixkosten laufen weiter, da ist das vergleichsweise ein Tropfen auf den heißen Stein.“

Ein trauriges Bild, das da gezeichnet wird. Und das von Menschen, die normalerweise Freizeit zum Vergnügen machen. Nur in diesem Jahr nicht. Da dreht sich kein Karussell und in Ascheberg bleibt es still, am letzten Wochenende im Juli, das traditionell eigentlich der Jacobi-Kirmes vorbehalten ist. Tina Nitsche

Auf dem Aaland weht ein bisschen Kirmesflair

Pferderennbahn im heimischen Garten

ASCHEBERG. Eigentlich hätten die meisten von uns etwas vor an diesem Wochenende. Doch was tun die Ascheberger, wenn die heißgeliebte Jacobi-Kirmes nicht kommen kann? Ganz einfach: „Wir holden sie zu uns!“ sagen da ein paar echt eingefleischte Kirmesfans vom Aaland.

Ihrem Vorsatz ließen Dirk Thies, seine Frau Sabine, die Kinder Luca und Louis dann auch Taten folgen. „Ich bin dann mal weg“, erklärte Dirk Thies seiner Frau. Wohin? Zum Baumarkt. Denn Dirk Thies hatte einen Plan. Zu einer echten Kirmes gehören Spielgeschäfte. Vor allem dann, wenn man wie er, langjähriges Mitglied der legendären „Bermudatruppe“ ist und zu den eingefleischten Kegelzehnkämpfern gehört.
Und da gibt es ein Geschäft, „was wir immer ansteuern“, so Thies. Waldo Parpalionis Pferderennen. Da das in diesem Jahr Corona bedingt nicht möglich ist, hat Dirk Thies ein paar Baumaterialien eingekauft und fertigte im heimischen Garten mit der Unterstützung seiner Familie eine Pferderennbahn. 1,80 Meter misst sie in der Länge, in der Breite bringt es das Werk auf einen halben Meter.

„Natürlich fehlt die Elektronik“, so Thies. Aber kreative Menschen wissen auch damit umzugehen. So kreierte er eine Bahn, die über 10 Löcher verfügt. Der Pferdekopf am Ende macht deutlich, welches Spiel hier gespielt wird. Aus Katzenspielzeug fertigte die Familie die Kugeln, die in besagte Löcher versenkt werden müssen. Sohn Luca und Ehefrau Sabine griffen zu Pinseln und Farbe und verpassten dem Werk den entsprechenden Anstrich. Am Samstag heißt es dann im Thiesschen Garten: „Na, wo laufen sie denn?!“   Der Spruch, den Schausteller Waldo Parpalioni immer auf den Lippen hatte, um in Ascheberg seine Gäste zum Spiel zu animieren. „Und der darf dann bei uns natürlich nicht fehlen“, erklärt Sabine Thies schmunzelnd.

Der Mandelexperte

Ebenso wenig wie der Duft frisch gerösteter Mandeln. Und da genau kommt Nachbar Lars Israel ins Spiel. Seines Zeichens übrigens nicht nur erklärter Kirmesfan, sondern auch Hobbybäcker. „Mandeln, die dürfen auf keiner Kirmes fehlen“, gibt er zu. Er selber steuert dazu in Ascheberg immer Hoppes Mandelstand an. Und da lässt er sich nicht nur einfach die Mandeln auf der Zunge zergehen. Nein, da gerät man auch gerne mal ins Fachsimpeln. Über die Herstellung der süßen Köstlichkeit zum Beispiel. Und wie heißt es so schön? Übung macht den Meister.

Mittlerweile hat der Ascheberger sein Rezept richtig ausgefeilt. Das Resultat: „Sie reichen fast dran an die Hoppe-Mandeln“, bestätigen die Nachbarn, die selbstverständlich schon eine Kostprobe genießen durften. Für das kleine private Kirmesvergnügen hat Lars Israel schon einmal alles vorbereitet. Der Duft frisch gebrannter Mandeln dominiert die Küche. Anschließend werden sie ganz Kirmeslike in Tüten abgefüllt. Damit ist der Punkt Kirmesschnökerein auch schon einmal von der To-Do-Liste gestrichen.

Lars Israel sorgt für die typische Kirmesschnökerei, die auf keiner Kirmes fehlen darf: Gebrantte Mandeln. Fotos: Tina Nitsche

Neben Pferderennen und Mandeln darf auch das Dosenwerfen nicht fehlen. Hier hat Theo Sellinghoff schon die Dosen geliefert. Weitere geplante Spiele für den Kirmessamstag sind außerdem Kerzen mit Wasser ausschießen und Ballonwerfen. Auf dem Aaland steigt somit die Vorfreude. Denn Kirmes hat hier einen hohen Stellenwert. So hoch, das sogar der Jahresurlaub immer entsprechend geplant wird.

Auch in diesem Jahr. „Nur bei den Urlaubsplanungen konnten wir ja noch nicht wissen, dass es in diesem Jahr keine Kirmes gibt.“ Dem ist leider so. Sabine und Dirk Thies haben trotzdem Urlaub. Und hatten damit die Zeit, um den individuellen Kirmesplan in die Tat umzusetzen. Und dazu gehören natürlich auch flotte Sprüche. Normalerweise geben diese die Rekommadeure an den Fahrgeschäften zum Besten. „Ein Karussell haben wir zwar nicht, aber die entsprechenden Animationssprüche haben wir uns schon besorgt“, so Dirk Thies lachend. Die Aaländer sind somit vorbereitet, für eine kleine aber feine Kirmes im heimischen Garten. Mit zugegebenermaßen einer nur ganz kleinen elitären Besucherauswahl, aber immerhin. Sie haben es, wie übrigens auch einige andere Ascheberger, die ebenfalls das Kirmeswochenende mit Aktionen und Unternehmungen würdigen, hinbekommen, dass am Samstag ein bisschen Kirmesflair zumindest in den heimischen Garten gezaubert wird. Tina Nitsche

Das Pferd macht deutlich, welches Spiel hier am Samstag gespielt wird. Foto: Tina Nitsche

 

Besonderer Dauergast

Bei Homanns wächst ein Riesenbovist im Garten

ASCHEBERG. „Er ist wieder da“ sagt Hans-Werner Homann schmunzelnd und weist auf das weiße kugelige Gebilde, das sich zwischen grünen Efeublättern in die Höhe reckt. Seine Haut makellos glatt. Fast zumindest. „Irgendwie hat er einige Macken bekommen, vielleicht waren es die Vögel“, mutmaßt der Ascheberger Hobbygärtner.

Was sich hier in seinem Garten breit macht, ist eigentlich eine Seltenheit und gar nicht so leicht zu finden. Es ist ein Riesenbovist. Sein Durchmesser liegt jetzt schon bei rund 20 Zentimetern. Und er ist längst nicht ausgewachsen.

„Auf einmal war er wieder da“.  Fast  könnte man hier schon sagen: Alle Jahre wieder. Denn seit drei Jahren ist diese Rarität in den Sommermonaten quasi Dauergast im Homannschen Garten.  Seit dem ersten Erscheinen taucht er jedes Jahr wieder auf. Ohne Vorankündigung. „So wie beim ersten Mal, da war er auch auf einmal da. Als ich ihn das erste Mal oben vom Balkon aus gesehen habe, da dachte ich ja noch es liegt ein Ball im Beet“, verrät Hans-Werner Homann. Besagter Ball entpuppte sich bei näherem Hinschauen jedoch als eine Pilzart, die wie gesagt nicht so häufig zu finden ist.

Eine berechtigte Frage

Wie sie in den Ascheberger Garten gelangte? Mit seiner Vermutung, dass dieser Pilz sich durch Sporen angesiedelt haben könnte, liegt der Ascheberger schon ziemlich richtig.

Neugierig geworden haben wir da extra noch einmal recherchiert. Denn das haben auch unsere Recherchen ergeben. Demnach produziert jeder Fruchtkörper über sieben Billionen Sporen, was ihn zum vielleicht fruchtbarsten aller Pilze macht. Riesenboviste wachsen übrigens von Juni bis September vornehmlich auf Wiesen, Weiden und lichten Wäldern (aufgelockerte Kiefernwälder auf eher trockenen Standorten). Charakteristische Standorte sind vor allem alte Streuobstwiesen. Aber durchaus siedeln sich diese Exemplare, die einen Durchmesser von 50 Zentimetern und mehr erlangen können, auch mal im heimischen Garten an. Nicht oft. Aber manchmal.

Nun kommt die alles entscheidende Frage: Ist dieser Pilz essbar? Hans-Werner Homann ist ehrlich. „Keine Ahnung, da habe ich mich noch nicht mit beschäftigt. Ich esse ihn nicht.“  Doch unsere Recherchen ergaben: Riesenbovisten sind essbar. Mit so einem Riesenbovisten kann man sogar glatt eine ganze Familie satt bekommen. Mehrere Infos findet Ihr übrigens auch hier.

Also, der „Dauergast“ im heimischen Garten ist schon etwas Besonderes. Vor allem, weil er sonst eher wiegesagt, wenn überhaupt auf Wiesen zu finden ist.

Die Homanns freuen sich auf jeden Fall darüber, dass der weiße Riesenbovist auch in diesem Jahr wieder ihren Garten ziert. Denn er bietet schon einen wirklich ungewöhnlichen Anblick. Tina Nitsche