Naschen ohne „Nebenwirkung“

Gabi Heinekes Empfehlungen für den gesunden Weihnachtsgenuss

ASCHEBERG. Was wäre Weihnachten ohne selbstgebackene Plätzchen? In der Tat, da würde dann wirklich etwas fehlen. Und gerade zu diesem Weihnachtsfest war in der heimischen Weihnachtsbäckerei oft viel los. Da nimmt sich auch eine Expertin nicht aus. „Klar, gebacken habe ich auch schon“, sagt Gabi Heineke, Ernährungsberaterin, lächelnd und weist auf einen Teller mit selbstgebackenen Kreationen.

Doch sie hat bei ihrer Backaktion auch den gesundheitlichen Aspekt im Auge behalten. Denn gesunde Ernährung ist für sie eine der Grundlagen, die für das Wohlbefinden der Menschen verantwortlich ist. „Und so ganz nebenbei kann man dabei auch dafür sorgen, dass die Waage nach den Feiertagen nicht mit großen Sprüngen nach oben schnellt“, verrät die Aschebergerin. Ja, denn das ist natürlich eine der unliebsamen Nebenwirkungen, die vor allem das Naschwerk mit sich bringt. „Da lässt sich jedoch prima Gegensteuern“, beruhigt die Fachfrau und verrät wie.

Was Zucker bewirkt

„So kann man beispielsweise Zucker durch Honig ersetzten“, macht sie deutlich. Warum? Ganz einfach. Weil die Energiedichte des Honigs, dem des Zuckers gleicht. „Aber bei Honig handelt es sich um ein Naturprodukt, das im Körper gut verwertet wird und überdies noch das Immunsystem stärkt.“ Eine Tatsache, die gerade in dieser besonderen Zeit sehr wichtig ist. „Denn im Zeitalter von Corona geht nichts über die Gesundheit“, betont Gabi Heineke und fügt an: „Die erste Zutat ist da neben Bewegung und Sport, die richtige Ernährung.“ Und da sei Zucker dann nicht die richtige Wahl. „Denn Zucker ist künstlich hergestellt, deshalb kann er vor allem bei übermäßigem Verzehr auch zu Entzündungen im Körper führen, wenn er nicht richtig umgewandelt wird.“ Bei der Umwandlung ist dann die Bewegung wichtig. Auf diese Weise werde ihm genügend Sauerstoff zugeführt und dadurch können die Nährstoffe über die Blutbahn dann problemlos überall hin transportiert werden.

So lässt sich Hüftgold vermeiden

Gabi Heineke hat natürlich auch die gesunde Variante in der Weihnachtsbäckerei ausprobiert. Beispielsweise mit Wallnuss-Haferplätzchen. „Die Grundzutaten sind ja beim Keksteig im Grunde genommen immer gleich“, sagt sie und benennt diese auch: Eier, Getreide, Fett und Süßungsmittel.  „Aber man kann Zucker durch Honig und Weißmehl beispielsweise durch Dinkelmehl ersetzen, oder durch Haferflocken, Mandel- oder Nussmehl.“ Der positive Effekt: „Auf diese Weise führen wir dem Körper auch noch ausreichend Ballaststoffe zu.“ Diese halten länger satt und der Blutzuckerspiegel bleibt konstant. „Das ist wichtig, denn ein ständiges Auf und Ab des Blutzuckerspiegels ist nicht nur ungesund, sondern durch ständiges Hoch- und Runterfahren des Blutzuckerspiegels kann der Körper auch nicht an die Fettreserven“. Die Folge: Ungeliebte Kilos auf den Hüften und eine Waage, deren Zeiger sprunghaft nach oben schnellt.

Und dabei spielt dann auch das Wie beim Naschen eine Rolle. Da rät die Fachfrau, Kekse beispielsweise als Dessert zu genießen. „Denn das Zwischendurchessen bringt den Blutzuckerspiegel zum Anstieg.“ Das wiederum verhindert, wie schon gesagt, dass der Körper an die Fettreserven geht. „Stattdessen bilden sich negative Transmitter, die sich ablagern und zur Gewichtszunahme, Diabetes und Co. führen“, erklärt Heineke.

Also, gewusst wie, lautet somit das Geheimnis. Dann klappt es auch mit dem Halten des Gewichts, trotz Weihnachtsplätzchen und Co. Wer jetzt vielleicht schnell noch einmal die Keksvorräte zum Fest auffüllen möchte, der kann das gerne tun. Ein Rezept findet Ihr nachstehend. Wir wünschen schon jetzt viel Spaß in der (gesunden) Weihnachtsbäckerei! Tina Nitsche

 

Warten auf das Christkind

Alle Jahre wieder: Traditioneller Krippenaufbau in der St. Lambertus Kirche

ASCHEBERG. Am Montag gehörte die St. Lambertus Kirche quasi den „12 Aposteln“. So nämlich werden die 12 Seniorenmessdiener liebevoll genannt. Und die erfüllten eine traditionelle Mission: Den Krippenaufbau! Alle Jahre wieder mutiert die muntere Gruppe zum kreativen Handwerkertrupp. So auch am Montag. Da summte die Bohrmaschine, es wurden Holzteile passgenau zusammengefügt, „und Tannen aufgestellt“, ergänzte Küsterin Roswitha Krebs, die ebenso wie Pater Paul, die „12 Apostel‘“ unterstützte. Schließlich gab es jede Menge zu tun, und es waren viele kleine Schritte nötig, bis dann am Ende des Tages die Krippe stand.

Schritte, die ehrenamtlich ausgeführt worden sind. „Und das ist nicht selbstverständlich“, so Roswitha Krebs. Und ihr Dank gilt da nicht nur den fleißigen Helfern in der Kirche, sondern auch der Familien Schulze-Pellengahr. Die hat nämlich die zwei sechseinhalb Meter großen Tannen gespendet, wie auch die fünf Tannen hinter der Krippe. „Mehr noch, die Schulze-Pellengahrs haben die Tannen eigenhändig geschlagen und auch noch zur Kirche transportiert“, verriet die Küsterin. Will heißen, sonntags noch im Wald, haben die Bäume dann montags ihren neuen Platz in der St. Lambertus-Kirche eingenommen.

Logisch also, dass da morgens zunächst einmal das Aufbauen der Tannen für einen Teil des Helfertrupps anstand. Während die einen diese Arbeit übernahmen, bereiteten die anderen dann schon mal das Musik-Podest für die Krippe vor. Für die Helfer gab es jede Menge zu tun. Nach dem Aufbau wurde das Moos liebevoll dekoriert, und die Krippenfiguren aufgestellt. Nur eines war in diesem Jahr anders als sonst. Die ganzen Arbeiten fanden unter den notwenigen Corona Bedingungen statt. Und da hieß es dann auch: Verzicht auf die gemeinsame Stärkung in Form einer warmen Mahlzeit. „Normalerweise erhalten die Männer immer eine warme Mahlzeit und wir setzen uns zusammen, aber das mussten wir in diesem Jahr ausfallen lassen“, so Roswitha Krebs.

Die unverzichtbare Kraft

Was allerdings gleich blieb war eines: Die Liebe mit der die Männer ihrer Arbeit nachgingen, die gute Laune und die Tatsache, dass ein Mann bei dieser Aktion ebenfalls nicht fehlte. Wer das ist? Andreas Schröer. „Andreas hat damals schon als Schuljunge beim Krippenaufbau geholfen, dafür hat er dann sogar immer einen Tag schulfrei bekommen“, verriet Roswitha Krebs. Seit über 20 Jahren ist der junge Mann eine unverzichtbare Kraft im Helferkreis „Krippenaufbau“ und ist aus dem eingespielten Team auch nicht mehr wegzudenken. Denn, „Andreas weiß wo jede Schraube liegt, überdies sitzt bei ihm jeder Handgriff“.

Ohne die ehrenamtliche Hilfe der Seniorenmessdiener, die auch liebevoll die 12 Apostel genannt werden, wäre das Projekt Krippenaufbau gar nicht möglich. Foto: Tina Nitsche

Am Ende des Tages waren alle froh und dankbar, dass wieder einmal alles bestens geklappt hat. Lediglich auf eines müssen die Kirchenbesucher noch warten. Auf das Christkind. „Denn das Jesuskind wird immer erst Heiligabend in die Krippe gelegt“, so Roswitha Krebs. Die unermüdlichen Helfer hingegen haben ihr Handwerkzeug wieder eingepackt, in der Gewissheit, dass sie am Montag nicht nur zur Ehre Gottes, sondern auch zur Freude der Menschen im Einsatz waren. Tina Nitsche

Himmlische Momente DAHeim

Neues Projekt in besonderen Zeiten

Ja, wer hätte es gedacht, dass das Jahr 2020 so anders wird? Das unser Leben an manchen Stellen quasi stillzustehen schien und das wir nicht mal eben alles so machen konnten, wie wir das eigentlich gewohnt waren. Aber ein kleines Virus hat nun mal dafür gesorgt, dass sich unser Leben und unser Alltag geändert hat.

Ob das alles nur schlecht war? Nein. So schwer die ganze Situation auch ist, sie hat doch durchaus auch etwas Gutes. Wir Menschen haben ganz neue Dinge für uns (wieder-) entdeckt. Den Garten, das Kochen, das Wandern, das Radfahren, die Natur…. Und seien wir doch mal ehrlich: Gerade die Natur hat uns in dieser ganzen Zeit so etwas von belohnt….

Ich für meinen Teil konnte ganz viel entdecken. Denn ich war sehr oft mit dem Rad in den drei Ortsteilen unserer Gemeinde unterwegs. Mit von der Partie war auch immer die Kamera oder das Handy. Fotografieren ist nun mal meine Leidenschaft. Viele Bilder sind dabei entstanden und in diesem Jahr bei mir im Whats App Status gelandet. Dort haben sie, so zumindest die Resonanz, viele von Euch erfreut.

Natürlich sollt Ihr auch einen kleinen Vorgeschmack bekommen. Hier anhand des Motivs für Februar.

Vor allem die Himmelsbilder haben dabei nicht nur auf mich eine Faszination ausgeübt. Und so ist die Idee entstanden einen neuen Schritt zu wagen: Einen eigenen Kalender aufzulegen. (übrigens auch, weil viele von Euch immer wieder gesagt haben: „Mensch mach doch aus all den Fotos mal einen Kalender) Beim Durchsehen der vielen unterschiedlichen Motive kristallisierte sich ein Titel dafür dann quasi ganz von alleine heraus. „Himmlische Momente DAHeim“. Einfach, weil die Himmel an manchen Tagen in unserer Gemeinde (Heimat) so krass schön und ungewöhnlich waren.

Dann kam die eigentliche Arbeit, die Auswahl der 13 Motive (wer die Wahl hat, hat die Qual 😊), das Bearbeiten und Setzen, millimetergenaue Anpassungen inclusive. Aber das ist vollbracht.

Nun sind die Kalender, die übrigens im DIN-A4 Format und einzeln eingeschweißt sind, auf dem Weg zu mir. Eine Limited Edition sozusagen. Denn es gibt nur eine begrenzte Stückzahl mit den schönsten himmlischsten Momenten, die in diesem besonderen Jahr „DAH“ zu sehen waren. Ich bin echt gespannt. Und abschließend kann ich für mich nur eines sagen: So zaubert jede ungewöhnliche Situation auch immer wieder Neues hervor….

Bliebe nun noch eines zu klären: Wo könnt Ihr ihn bekommen, den Kalender „Himmlische Momente DAHeim“? Ganz einfach:  Diese sind zum Preis von 14,50 Euro beim Raumausstatter Stöppler zu den Geschäftszeiten: dienstags und freitags von 15 Uhr bis 18 Uhr sowie mittwochs und samstags von 10 Uhr bis 13 Uhr erhältlich. (Da sage ich an dieser Stelle übrigens noch mal ganz lieben Dank an Steffi Stöppler, die mir hier eine Plattform bietet). Zudem ist der Kalender nun auch im Schnäppchenmarkt Ascheberg zu den Geschäftszeiten Montag – Freitag 9:00 – 18:30 Uhr und Samstag 9 – 16 Uhr erhältlich. Ferner könnt Ihr sie auch montags bis freitags von 18 Uhr bis 19 Uhr bei mir an der Dorfheide 1 in Ascheberg bekommen. Gerne könnt Ihr sonst auch eine E-Mail an himmlischemomente@web.de schreiben und vorreservieren.  Eure Tina Nitsche

Und hier noch einmal der Titel. (Oben ist er in der Darstellung angeschnitten, das liegt aber am Blogformat).

Andere Zeiten – neue Wege

Corona hat bei Alexandra Speemann die kreative Seite zum Klingen gebracht

ASCHEBERG. Wie heißt es doch so schön? Ach ja: Es kommt immer darauf an, was du daraus machst. Gerade in Zeiten wie diesen, wo uns ein kleines Virus quasi kalt erwischt hat und nun immer mehr unser Leben bestimmt.

Doch diese Pandemie kann durchaus auch Positives bewirken, „uns neue Seiten offenbaren“, sagt Alexandra Speemann. Auch für sie hat sich vieles geändert in der Corona-Zeit. Aber sie hat sich davon nicht unterkriegen lassen. Im Gegenteil. Sie ist zur kreativen Höchstform aufgelaufen.

„Ich habe immer schon ein Faible für das Kreative gehabt“, erzählt sie. Oft hat sie da auch die Kreativ-Angebote der Kolpingfamilie genutzt. Außerdem hat sie schon immer mal gerne über den Tellerrand geschaut. „So haben ein paar Freundinnen und ich  mit großer Freude ab und zu Kurse der Floralen Manufaktur in Lüdinghausen besucht“. Und da hat sie ein Rüsthandwerk an die Hand bekommen, das sie nun hobbymäßig ausgebaut hat. Sie fertigt florale Kränze. Und das aus Naturmaterialien. „Als Hundebesizerin bin ich natürlich oft draußen unterwegs und in der Natur findet man Unmengen an Materialien.“

Kunst via Online Kurs

Sie hat sich auf neue Wege begeben. Hat auch die neue Form von Kursen absolviert, die seit dem Corona-Stillstand ganz neue Möglichkeiten eröffnen. „Statt Kurse mit Freunden zu besuchen, habe ich in diesem Fall das Angebot der Floralen Manufaktur genutzt, die Kurse online angeboten hat.“ Natürlich ist das anders, als live in einem Kurs zu sitzen. „Aber es hat durchaus auch Vorteile, man kann diese Kurse im eigenen Rhythmus absolvieren.“ Sich Zeit lassen, das ist auch etwas, was Alexandra Speemann in der Krise gelernt hat. Das allerdings „zieht auch viele Vorteile nach sich. Man geht Dinge viel entspannter an“.

Einfach mal den Blickwinkel ändern

Die Beschäftigung mit der floralen Kunst hat überdies ihren Blickwinkel geändert. „Man schaut jetzt anders, wenn man in der Natur unterwegs ist. Da sieht man so viele herrliche Materialien, da formen sich dann schon während des Spaziergangs immer neue Ideen im Kopf.“ Kastanien, Eicheln, Hopfen, ja selbst Disteln und Beeren faszinieren sie nun auf eine ganz andere Weise. „Ich kann aus all diesen Dingen etwas formen und das ist wunderschön“. Logisch, dass sie da auf dem ein oder anderen Spaziergang viele Dinge aufliest, die besonders jetzt zur Herbstzeit gerade auf dem Boden liegen.

„Man muss nicht immer alles kaufen“, sagt sie, wobei die Strohrömer, die als Grundgerüst für ihre großen Kränze gelten, dann schon angeschafft werden müssen. „Das Gute jedoch ist, man kann sie immer wiederverwenden, wenn beispielsweise mal ein Kranz nicht mehr schön aussieht. Manches ist dann einfach auf, viele andere Dinge kann man jedoch wieder benutzen und daraus Neues entstehen lassen.“ Bis das allerdings soweit ist, dauert es.

Bei Alexandra Speemann hat Corona die kreative Seite zum Klingen gebracht. Foto: Tina Nitsche

„Hier,“ weist die Aschebergerin auf einen wunderschönen Kranz aus Naturmaterialien im Wohnzimmer, „der ist sogar schon drei Jahre alt und immer noch schön.“ Gerade hat sie wieder ein Prachtexemplar fertig gestellt, das nun den heimischen Flur ziert. Verwendet hat sie bis auf den Stacheldraht – die Pflanze musste sie kaufen – nur Naturmaterialien, die sie im Garten und draußen in der Natur gefunden hat. „Da habe ich viele kleine Sträuße gefertigt, die ich dann in zu einem großen Kranz zusammengesteckt habe.“ Die Ideen gehen ihr nicht aus. „Und selbst wenn ich mal kreativen Input brauche, da bietet das Internet viele Möglichkeiten.“

Ihr Stil besticht durch Schlichtheit. Und gerade das lässt ihre Werke zum echten Hingucker werden. Selbst kleine Schalen peppt sie auf diese Weise auf. „Kränze lassen sich ja in allen Größen fertigen, und nicht immer benötigt man dafür einen Strohrömer.“ Die Corona-Zeit hat bei Alexandra Speemann die kreative Seite zum Klingen gebracht. Statt sich von schlechten Nachrichten runterziehen zu lassen, hat sie den Blickwinkel geändert. Oder anders ausgedrückt: Sie hat einfach das Beste aus der Situation gemacht. Denn genau darauf kommt es an. Tina Nitsche

 

 

Spannungsgeladener Abend

Eine Gemeinde liest: Sonja Schober servierte in der Hundeschule Kehrmann einen ungewöhnlichen Thriller

ASCHEBERG. Die Gäste durften sich am Freitag „auf eine Wiederholungstäterin freuen“, so kündigte Marie-Luise Koch (Forum Toruismus Kultur) Vorleserin Sonja Schober im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Eine Gemeinde liest“ in der Hundeschule Kehrmann an.

Und die hatte mächtig viel Spannung im Gepäck. Alleine der Titel „Anonym“ des Werkes von Ursula Ponanzki und Arno Strobl war schon vielversprechend. Ein Buch, das nicht nur von zwei Autoren geschrieben worden ist, sondern die Charaktere, hier spielen die Kommissare Daniel Buchholz und Nina Salomon die Hauptrolle, auf besondere Weise darlegt. Denn mal sind Handlungen aus Sicht der Kommissarin, dann die gleiche Handlung aus Sicht des Kommissars geschrieben.

Könnte langweilig werden? „Zugegeben, da war ich auch erst skeptisch“, gab Sonja Schober zu und belehrte die 21 Gäste, die  im Garten der Hundeschule Kehrmann zusammentrafen, dann schnell eines Besseren. Und richtig genug, die Zuhörer hingen gebannt an ihren Lippen und lernten die Protagonisten durch den ungewöhnlichen Erzählstil bestens kennen.

Denn wer könnte die Kollegen schon besser beschreiben, als die Kollegen selber? Schnell erfuhren die Gäste, dass es sich beim Kommissar Daniel Buchholz um einen Typen in Designerkleidung handelt. Aus Sicht seiner Kollegin wohl eher Modeopfer. Er beschreibt sie hingegen als zupackend (erstaunlich fester Händedruck) mit guter Beobachtungsgabe, aber dennoch nicht gerade super sympathisch. Die Geschichte besteht aus einzelnen Kapiteln. Dank der Perspektive hatten die Zuhörer Einsicht in die Gedanken der Akteure. Dadurch wirkte die Story persönlicher. Soweit so gut. Mit der unterhaltsamen Vorstellung des Ermittlerteams, die übrigens an einem Tatort zusammentreffen, endete Teil eins der Lesung.

Sonja Schober begeisterte mit dem Werk Anonym im Rahmen einer Gemeinde liest in der Hundeschuhle Kehrmann. Fotos: Tina Nische

Nach einer kurzen Pause ging es dann weiter. Sonja Schober entführte ihre Zuhörer in die Tiefen des Darknet. Und da spielt die Anonymität natürlich eine große Rolle. Spannungsgeladen ging es weiter. Passend dazu wechselten die Gäste und die Vorleserin von draußen in die Halle. Denn am Himmel zogen dunkle Wolken auf. Es schien fast so, als kündigten sie Schockierendes an. In der Tat, das Spannungsbarometer stieg.

In den Tiefen des Darnet

Denn die ausgeblutete Leiche eines Anwalts, ist nur der Anfang des ersten gemeinsamen Falles von Nina Salomon und Daniel Buchholz.  Schnell wird bekannt, dass Mitglieder eines Forums im Darknet, jenem schwer zugänglichen Teil des Internets, abstimmen konnten, welcher von vier Kandidaten sterben sollte. Und die nächste Abstimmungsrunde läuft schon … Die erleben die beiden Kommissare hautnah mit.

Die Gäste tauchten ein ins Geschehen, denn Schober verstand es, fesselnd und mitreißend vorzulesen. Es war ein spannungsgeladener Abend, den Sonja Schober den Zuhörern im Rahmen von einer Gemeinde liest, da servierte. Und so mancher wollte wissen, wie diese Geschichte endet. Und so wird wahrscheinlich der ein oder andere ihrer Empfehlung nachkommen und das ganze Buch lesen. Tina Nitsche

„Wenn jeder ein bisschen tut…“ – Zwei Frauen mit einem Ziel

Jutta Nowak und Steffi Stöppler planen ein besonderes Projekt

ASCHEBERG. Zugegeben, diese Corona-Pandemie beeinflusst ja irgendwie schon unser Leben. Vieles ist anders, aber diese ungewöhnliche Zeit hat durchaus auch bewirkt, dass die Menschen andere Wege beschreiten. Denn so manches ist einfach nicht mehr möglich. Auch Jutta Nowak weiß ein Lied davon zu singen. Die ehrenamtliche Arbeit für hilfebedürftige Menschen ist ihr eine Herzensangelegenheit. „Nur in diesem Jahr, ist irgendwie alles anders“, sagt sie. Sie unterstützt viele Institutionen und Menschen, wie u.a.  das Werkhaus St. Georg oder die Ascheberger Tafel. Und sie hat auch die Auswirkungen der Corona-Krise fest im Blick. „Vor allem die Altersarmut nimmt zu. Hart betroffen sind davon vor allem Frauen“. Sie selbst kennt die Schwierigkeiten und aus eigener Erfahrung weiß sie, „wie knapp es dabei oft am Ende des Monats wird.“ Und obwohl sie selbst nicht viel hat, teilt sie gerne und engagiert sich mit Herzblut. Denn ihre ehrenamtliche Tätigkeit birgt auch für sie Vorteile. „Man bleibt mit den Menschen in Verbindung, nimmt am Leben teil und bewirkt Gutes“, beschreibt sie ihren Antrieb.

Als dann im März der Lockdown kam, stand auch sie vor der Frage: „Was mache ich jetzt?“ „Gerade für ältere Menschen hatte diese Phase ja auch Isolation zur Folge“, unterstreicht Jutta Nowak. Sie selbst hatte die Wahl zwischen „vorm Fernseher kleben oder etwas tun“. Sie entschied sich für Zweiteres und aktvierte nicht nur ihre Nähmaschine, sondern auch viele andere Frauen. Die Idee: „Wir können die Zeit ja schon einmal nutzen, um etwas für den Weihnachtsmarkt zu produzieren. Der Erlös soll bedürftigen Menschen zu Gute kommen.“

Lauter Unikate

Mir ihrer Idee rannte sie offene Türen ein. Fortan ratterten bei vielen Frauen die Nähmaschinen, klapperten die Stricknadeln oder es wurde Seife angesetzt. Auf diese Weise entstanden Platzsets, Kissenbezüge, selbst gesiedete mit natürlicher Wolle ummantelte Seifen, Duftsäckchen mit natürlichen Kräutern und vieles mehr. All diese Werke eint eines: Jedes ist ein Unikat, jedes ist handgemacht. Und das aus Stoffen wie reines Leinen oder 100 Prozent Baumwolle. Denn die Nachhaltigkeit hatten die Damen fest im Blick. Auch bei den Körnerkissen, deren Füllung aus Biokörnern besteht. Gleichzeitig erzählen gerade Platzsets und Kissenhüllen zudem ihre eigenen Geschichten. Wie? Durch ihre ungewöhnlichen Verzierungen, zum Beispiel mit Brüsseler Spitze oder Bordüren aus Spanien.

Eine Tatsache, die Steffi Stöppler besonders ins Auge stach. Denn der Umgang mit Stoffen ist schließlich das erklärte Metier ihrer Familie, die sich seit vielen Jahrzehnten als Raumgestalter Stöppler einen guten Namen gemacht hat.

Es war also irgendwie kein Zufall, dass die beiden Frauen nun zu einem besonderen Projekt zusammengefunden haben. Jutta Nowak ist dafür dankbar. „Denn wir haben so viel produziert, doch dann kam eine Absage nach der anderen für alle möglichen Märkte, auf denen wir unsere selbstgefertigten Waren anbieten wollten.“ Also hieß es wieder einmal: Umdenken und andere Wege finden.

Die Corona Zeit aht Jutta Nowak kreativ genutzt. Entstanden sind viele Dinge, alle mit dem Prädikat „Handmade“ und dafür, um bedürftige Menschen zu unterstützen. Foto: Tina Nitsche

Und eben dieser neue Weg führte Jutta Nowak zu Steffi Stöppler. Die Geschäftsfrau ist begeistert über das Engagement von Jutta Nowak für hilfsbedürftige Menschen. Da weder ein Markt noch die Italienische Nacht in diesem Jahr möglich sind, bieten Steffi Stöppler und ihr Mann Bernd nun in ihrem Ascheberger Geschäft an der Biete 2b, eine besondere Möglichkeit. Sie funktionieren einen Teil ihres Ladens zu einer kleinen ungewöhnlichen Marktfläche um, wo die selbstgefertigten Dinge vier Wochen lang zu den Geschäftszeiten ins richtige Licht gerückt werden.

Am eigentlichen Tag der Italienischen Nacht geht’s los

Und an dem Tag, an dem eigentlich die Italienische Nacht steigen würde, geht es dann los. „Denn ab Freitag, den 14. August, können alle, die dieses Projekt unterstützen möchten und Wert auf nachhaltige Dinge legen, die selbstgefertigten Produkte bei uns erwerben. Wir geben das Geld dann an Jutta Nowak weiter, die damit die Ascheberger Tafel, das Werkhaus St. Georg und hilfsbedürftige Menschen unterstützt“, so Steffi Stöppler.

Sie selbst unterstützt diese Idee nur allzu gerne. „Denn vielen von uns geht es ja noch irgendwie gut, doch es gibt immer mehr Menschen, die finanziell wirklich schlecht aufgestellt sind und die Hilfe benötigen. Wenn da jeder nur ein bisschen tut, dann würde es allen ein bisschen besser gehen.“ Gleichzeitig ist es für sie auch eine schöne Gelegenheit, ein wenig an Ascheberg zurückzugeben. „Denn wir sind hier wirklich so toll aufgenommen worden.“

Nun hoffen die beiden Damen, dass ihre Idee gut ankommt. Eine Idee, die zeigt, dass diese ungewöhnliche Zeit in der wir gerade leben, auch Gutes zu Tage fördert. Tina Nitsche

 

Info:
Die Öffnungszeiten von Raumgestalter Stöppler in Ascheberg: Dienstags und freitags von 15 Uhr bis 18 Uhr. Mittwochs und samstags von 10 Uhr bis 13 Uhr. Weitere Infos oder Termine nach Vereinbarung unter Tel. 0 25 93 – 98 898

Wer noch Wolle sowie Leinen- und Baumwollstoffe oder Handarbeitszubehör übrig hat, darf sich gerne an Jutta Nowak, Tel. 0 25 93 – 950 922 wenden.

Im Ascheberger Schaufenster der Raumgestalter Stöppler wird während des Ausstellungszeitraums auch eine Zeitgeschichte des ehrenamtlichen Engagements von Jutta Nowak präsentiert.

Und dann verließ er sie….

Manchmal ist es doch schon echt komisch. Da denkt Frau mal über einen anderen nach und was passiert? Ihr langjähriger treuer Weggefährte verlässt sie nur einen Tag später völlig unvorbereitet. Noch dazu mitten auf der Kreuzung. Als ob er ihre Gedanken hat lesen können. Ist doch irgendwie seltsam, oder? Nach über 300 000 Kilometern gemeinsamen Weges kein Ton mehr, nur noch ächzende unverständliche Geräusche. Ja, Ihr ahnt es schon, natürlich reden wir hier nicht von dem Zerbrechen einer menschlichen Beziehung. Nein, wir reden davon, dass das Auto meiner Freundin Isabel einfach so den Geist aufgegeben hat.

Und irgendwie ist das ja fast genauso schlimm, wenn man mal bedenkt, wie schwer den meisten Menschen die Trennung von ihrem heißgeliebten Vehikel fällt.

Doch irgendwann ist es so weit. Bei dem einen früher, bei dem anderen später. Ach ja, unsere Isabel hätte da gerne noch ein wenig Galgenfrist gehabt, schließlich hat sie ja gerade mal einen ersten Gedanken an einen eventuellen Nachfolger verschwendet. Das dann aber so postwendend die Antwort kommt! Wer hätte das gedacht. Und das noch mitten beim Abbiegen und unter Begleitung mehrfachen Hupens. Was sollen die Verkehrsteilnehmer auch denken, wenn Frau ruckelnd und stotternd gerade noch an den Straßenrand kommt. Das wollen wir uns jetzt mal lieber nicht ausmalen.

Fakt ist, sie hat es geschafft, ihren treuen Weggefährten an den Rand zu bugsieren. Und nur wenig später hing er dann am Haken. Denn irgendwie muss er ja nach Hause bzw. in die Werkstatt kommen. Wie gut, dass der Abschleppdienst so schnell da war und den langjährigen Weggefährten aufgeladen hat. Und unsere Isabel? Erst einmal fassungslos: „Das glaubt mir keiner“. Dann hoffnungsvoll. „Vielleicht ist es ja nicht ganz so schlimm“.  Ist eben nie leicht so eine Trennung…. Selbst wenn sie hoffentlich nur ganz kurz dauert.  Eure Carla Columna on tour

Frische Eier vom Bauernhof St. Georg

ASCHEBERG. In Corona-Zeiten ist ja vieles ein bisschen anders. So auch auf dem Bauernhof St. Georg. Da könnt Ihr nämlich rund um die Uhr frische Eier von freilaufenden Hühnern bekommen. Wusstet Ihr das? Der Verkauf von Eiern an sich ist ja nichts Neues. Seit vielen Jahren besteht dieses Angebot. Eigentlich immer als Hofverkauf. Doch Corona zwingt da zu neuen Ideen.

Also gibt es nun einen großen Kühlschrank, der täglich mit frischen Eiern befüllt wird. Und da können sich die Menschen ihre Eier rund um die Uhr gegen Geld kaufen. Auf diese Weise werden dann auch die notwendigen Hygiene- und Abstandsmaßnahmen optimal gewährleistet. Tina Nitsche

Stillstand – Eine Zunft am Abgrund

Jacobi Kirmes: Kein Vergnügen – Schausteller bangen um ihren Berufsstand

ASCHEBERG. Es ist still im Dorf. Kein hektisches Treiben, keine Schausteller, die ihre Geschäfte aufbauen, und logischerweise keine Karussells, die sich am Wochenende drehen. Da würde die Jacobi-Kirmes beginnen. Eigentlich. Doch in diesem Jahr fehlen die vielen Zutaten, die Ascheberg drei Tage lang Kopf stehen lassen. Kein bunter traditioneller (Freichip-) Regen. Keine munteren Sprüche, mit denen die Menschen animiert werden sich in andere Welten wirbeln zu lassen. Und auch keine Klübchen die zu den traditionellen Kirmeszehnkämpfen aufbrechen.

2020 wird als das Jahr in die Ascheberger Geschichte eingehen, in dem der erklärte Höhepunkt im Veranstaltungskalender nur durch eine leere Stelle besticht. Denn die Jacobi-Kirmes ist, wie viele Veranstaltungen auch, der Corona Krise zum Opfer gefallen.

Den eingefleischten Kirmesfans tut das weh. Ganz ohne Zweifel. Doch die Schausteller treibt diese Situation in der Tat an existentielle Abgründe.

Wohin geht die Reise?

Einnahmen generieren – Fehlanzeige. Und das seit Monaten.  „Wir haben ja ein Berufsausübungsverbot von Vater Staat ereilt bekommen“, bringt es Schausteller Robert Heitmann auf den Punkt. Mit Wehmut denkt er an das bevorstehende Wochenende. „Da würde ich jetzt eigentlich in Ascheberg stehen, wie immer am letzten Wochenende im Juli“. Und das tut Robert Heitmann schon fast sein ganzes Leben lang. Denn die Jacobi-Kirmes ist fester Bestandteil seiner jährlichen Arbeitsroute. Nur in diesem Jahr nicht.

Wohin die Reise für seine Zunft gehen soll? „Ich weiß es nicht“, sagt er seufzend. Die Situation und vor allem die Zahlen sprechen da eine eigene Sprache. „Wenn die Weihnachtsmärkte nun auch nicht stattfinden dürfen, dann sehe ich schwarz“, so Heitmann und macht deutlich: „Das würde das Aus für 60 bis 70 Prozent der Kollegen bedeuten.“ Er selbst würde es vielleicht noch bis zum Frühjahr nächsten Jahres schaffen.

Dieses Bild hätte er sich an diesem Wochenende gewünscht. Doch heute ist Schausteller Robert Heitmann das Lachen vergangen. Foto: Tina Nitsche

Für ihn, der ein Mann der Traditionen ist, ist das besonders schlimm. „In diesem Jahr hätten wir eigentlich Grund zum Feiern“, sagt er leise. Denn 1820 wurde seine Familie in Herford sesshaft. Seinerzeit mit einer Bodenmühle. Die Schaustellerei ist sein Leben. „Und das Leben meiner Familie“, sagt er. Seinen Kindern hat er freigestellt, was sie nach ihrem Schulabschluss machen wollen. Seine beiden Großen haben sich nach Schule und Ausbildung für die Schaustellerei entschieden. Sie führen damit das Erbe ihrer Vorfahren fort. „Irgendwie liegt uns das schließlich im Blut.“

Für Robert Heitmann ist sein Beruf nicht einfach eine Tätigkeit, sondern Berufung. Doch er hat Angst. Angst, was aus seinem Berufsstand werden soll. Trotzdem sieht er nicht einfach hilflos zu. Nein, er versucht Wege zu finden. „Ich habe auf meinem Grundstück an den Wochenenden einen kleinen Markt aufgebaut. Hier setzen wir das geforderte Hygienekonzept um, und ich hoffe, dass wir damit zeigen können, dass auf diese Weise zumindest kleine Veranstaltungen wieder möglich werden können.“

Kampf um eine alte Tradition

Er kämpft um eine Jahrhunderte alte Tradition. So wie viele seiner Kollegen auch. „Deshalb gehen wir auch auf die Straßen, fahren kreuz und quer durch Deutschland, um bei großen Demonstrationen auf unsere Situation aufmerksam zu machen.“ Eine Situation, die an die Substanz geht. Und eine, die selbst Robert Heitmann erst vor ein paar Tagen die Tränen in die Augen getrieben hat. Da war er in Ascheberg, um für die Kolpingsfamilie Mandeln und Popcorn zu liefern.  „Anschließend habe ich in meinem Auto gesessen und geweint“, gibt er zu. Es waren Tränen der Rührung, weil die Ascheberger ihm durch ihre Kirmesaktion ein wenig Umsatz bescheren, es waren aber auch Tränen voller Wehmut, weil er an diesem Wochenende nicht auf dem Ascheberger Kirchplatz stehen und dort das tun darf, was er am besten kann: Den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern und ihnen ein paar Tage voller (Kirmes-) Freude zu schenken.

Von 100 auf Null

Anke und Frank Derleh ist das Lachen mittlerweile vergangen. Statt ihren Pizzawagen und das Ballwerfen anlässlich der Jacobi-Kirmes zu betreiben, sitzen sie zu Hause. Sind quasi von 100 auf Null katapultiert worden. „Einfach nur traurig“, sagt Anke Derleh und ihr Mann ergänzt: „Finanziell haben wir keine Möglichkeiten mehr.“ Natürlich haben sie die Soforthilfe beantragt. „Aber was sind schon die 9000 Euro, wenn alle Kosten weiterlaufen und das Monat für Monat.“

Auch für Schaustellerfamilie Derleh sind harte Zeiten angebrochen. Einziger Lichtblick: Sohn Phillipp (l.) hat Arbeit bei der Firma Alutraum in Ascheberg gefunden. Foto: Tin Nitsche
Arbeit in Ascheberg

Die Sorgen sind belastend. Froh sind die Beiden, dass zumindest ihr Sohn Philipp momentan Arbeit hat. Nicht als Schausteller. „Nein, er arbeitet in Ascheberg bei Dirk Tönies in dessen Firma Alutraum“, sagt Anke. Sie und ihr Mann hingegen sind zum Nichtstun verdonnert. Und das gefällt ihnen nicht. „Das sind wir nicht gewohnt, unser Leben ist die Reise auch wenn die sicherlich nicht immer ganz einfach ist. Aber mit der Arbeit sind wir groß geworden, so wie mit all den Höhen und Tiefen, die unser Berufsstand mit sich bringt. Aber es ist unser Beruf und den üben wir mit Herzblut aus.“ Umso trauriger sind sie, dass sie auch an diesem Wochenende zu Hause sitzen müssen. „Da wären wir eigentlich in Ascheberg. Unserem Ascheberg“, sagen sie. Viele viele Jahre kommen sie schon nach Ascheberg, um dort die größte Dorfkirmes im Münsterland zu halten. Die Derlehs verbringen sogar immer drei Wochen dort. „Und das ist etwas Besonderes für uns. Dort treffen viele Kollegen zusammen in unserem kleinen Dorf im Dorf, wie wir den schönen Wohnwagenplatz nennen.“

Quälende Sehnsucht

Vor allem Anke quält die Sehnsucht. Ascheberg ist für sie irgendwie ein Stückchen Heimat. „So gehe ich mit Natalie Strothenke dort immer zu Ullas Team zum Friseur.“ Und diesen Friseurbesuch haben sich die Beiden in der vergangenen Woche gegönnt. „Dann sind wir noch durch den Ort geschlendert, haben auch bekannte Gesichter getroffen und hatten somit wenigstens ein bisschen Ascheberg-Feeling“, erzählt Anke.  Das Schaustellerehepaar blickt einer unsicheren Zukunft entgegen, obwohl auch sie die Hände keineswegs in den Schoß legen. „Auch wir fahren zu den Demonstrationen“, so Frank Derleh, „aber leider wurden wir bis jetzt nicht richtig gehört, es ist zermürbend“, ergänzt seine Frau traurig.

Seit 20 Jahren kommt Kerstin Melcher nun mit ihrem Cocktail-Stand zur Jacobi-Kirmes nach Ascheberg. In diesem Jahr ist jedoch auch sie zum Stillstand verdonnert. Foto: Tina Nitsche

Schaustellerin Kerstin Melcher wird es ebenfalls schwer ums Herz, wenn sie an die Jacobi-Kirmes denkt. „Da wäre ich jetzt normalerweise mit meinem Cocktailstand. Ach, ich vermisse meine Klübchen und meine Ascheberger“, sagt sie. Finanziell geht es ihr nicht besser als vielen Kollegen. Erschwerend kommt hinzu, dass sie alleinerziehend ist. Aber sie ist auch eine Frau, die nicht einfach aufgibt. Natürlich hat auch sie derzeit keine Einnahmen. „Finanziell ist es ein Desaster“.

Zusammenrücken in der Krise

Aber ihren gesunden Optimismus will sie sich nicht nehmen lassen und findet schnell auch positive Aspekte: „Wir sind alle enger zusammengerückt, bauen uns gegenseitig, auf. Jeder hilft jedem“, beschreibt sie die alltägliche Situation mit Familie und Freunden. Ihre Kosten laufen jedoch wie bei allen anderen weiter. „Ich habe mein Erspartes angreifen müssen, um mich und meinen Sohn über die Runden zu bringen. Aber das ist nun aufgebraucht und da muss auch ich mir jetzt Gedanken machen….“ Den Arbeitslosengeld 2-Antrag hat sie gestellt. Die Sorgen nimmt ihr das jedoch nicht. „Denn die privaten und betrieblichen Fixkosten laufen weiter, da ist das vergleichsweise ein Tropfen auf den heißen Stein.“

Ein trauriges Bild, das da gezeichnet wird. Und das von Menschen, die normalerweise Freizeit zum Vergnügen machen. Nur in diesem Jahr nicht. Da dreht sich kein Karussell und in Ascheberg bleibt es still, am letzten Wochenende im Juli, das traditionell eigentlich der Jacobi-Kirmes vorbehalten ist. Tina Nitsche

Auf dem Aaland weht ein bisschen Kirmesflair

Pferderennbahn im heimischen Garten

ASCHEBERG. Eigentlich hätten die meisten von uns etwas vor an diesem Wochenende. Doch was tun die Ascheberger, wenn die heißgeliebte Jacobi-Kirmes nicht kommen kann? Ganz einfach: „Wir holden sie zu uns!“ sagen da ein paar echt eingefleischte Kirmesfans vom Aaland.

Ihrem Vorsatz ließen Dirk Thies, seine Frau Sabine, die Kinder Luca und Louis dann auch Taten folgen. „Ich bin dann mal weg“, erklärte Dirk Thies seiner Frau. Wohin? Zum Baumarkt. Denn Dirk Thies hatte einen Plan. Zu einer echten Kirmes gehören Spielgeschäfte. Vor allem dann, wenn man wie er, langjähriges Mitglied der legendären „Bermudatruppe“ ist und zu den eingefleischten Kegelzehnkämpfern gehört.
Und da gibt es ein Geschäft, „was wir immer ansteuern“, so Thies. Waldo Parpalionis Pferderennen. Da das in diesem Jahr Corona bedingt nicht möglich ist, hat Dirk Thies ein paar Baumaterialien eingekauft und fertigte im heimischen Garten mit der Unterstützung seiner Familie eine Pferderennbahn. 1,80 Meter misst sie in der Länge, in der Breite bringt es das Werk auf einen halben Meter.

„Natürlich fehlt die Elektronik“, so Thies. Aber kreative Menschen wissen auch damit umzugehen. So kreierte er eine Bahn, die über 10 Löcher verfügt. Der Pferdekopf am Ende macht deutlich, welches Spiel hier gespielt wird. Aus Katzenspielzeug fertigte die Familie die Kugeln, die in besagte Löcher versenkt werden müssen. Sohn Luca und Ehefrau Sabine griffen zu Pinseln und Farbe und verpassten dem Werk den entsprechenden Anstrich. Am Samstag heißt es dann im Thiesschen Garten: „Na, wo laufen sie denn?!“   Der Spruch, den Schausteller Waldo Parpalioni immer auf den Lippen hatte, um in Ascheberg seine Gäste zum Spiel zu animieren. „Und der darf dann bei uns natürlich nicht fehlen“, erklärt Sabine Thies schmunzelnd.

Der Mandelexperte

Ebenso wenig wie der Duft frisch gerösteter Mandeln. Und da genau kommt Nachbar Lars Israel ins Spiel. Seines Zeichens übrigens nicht nur erklärter Kirmesfan, sondern auch Hobbybäcker. „Mandeln, die dürfen auf keiner Kirmes fehlen“, gibt er zu. Er selber steuert dazu in Ascheberg immer Hoppes Mandelstand an. Und da lässt er sich nicht nur einfach die Mandeln auf der Zunge zergehen. Nein, da gerät man auch gerne mal ins Fachsimpeln. Über die Herstellung der süßen Köstlichkeit zum Beispiel. Und wie heißt es so schön? Übung macht den Meister.

Mittlerweile hat der Ascheberger sein Rezept richtig ausgefeilt. Das Resultat: „Sie reichen fast dran an die Hoppe-Mandeln“, bestätigen die Nachbarn, die selbstverständlich schon eine Kostprobe genießen durften. Für das kleine private Kirmesvergnügen hat Lars Israel schon einmal alles vorbereitet. Der Duft frisch gebrannter Mandeln dominiert die Küche. Anschließend werden sie ganz Kirmeslike in Tüten abgefüllt. Damit ist der Punkt Kirmesschnökerein auch schon einmal von der To-Do-Liste gestrichen.

Lars Israel sorgt für die typische Kirmesschnökerei, die auf keiner Kirmes fehlen darf: Gebrantte Mandeln. Fotos: Tina Nitsche

Neben Pferderennen und Mandeln darf auch das Dosenwerfen nicht fehlen. Hier hat Theo Sellinghoff schon die Dosen geliefert. Weitere geplante Spiele für den Kirmessamstag sind außerdem Kerzen mit Wasser ausschießen und Ballonwerfen. Auf dem Aaland steigt somit die Vorfreude. Denn Kirmes hat hier einen hohen Stellenwert. So hoch, das sogar der Jahresurlaub immer entsprechend geplant wird.

Auch in diesem Jahr. „Nur bei den Urlaubsplanungen konnten wir ja noch nicht wissen, dass es in diesem Jahr keine Kirmes gibt.“ Dem ist leider so. Sabine und Dirk Thies haben trotzdem Urlaub. Und hatten damit die Zeit, um den individuellen Kirmesplan in die Tat umzusetzen. Und dazu gehören natürlich auch flotte Sprüche. Normalerweise geben diese die Rekommadeure an den Fahrgeschäften zum Besten. „Ein Karussell haben wir zwar nicht, aber die entsprechenden Animationssprüche haben wir uns schon besorgt“, so Dirk Thies lachend. Die Aaländer sind somit vorbereitet, für eine kleine aber feine Kirmes im heimischen Garten. Mit zugegebenermaßen einer nur ganz kleinen elitären Besucherauswahl, aber immerhin. Sie haben es, wie übrigens auch einige andere Ascheberger, die ebenfalls das Kirmeswochenende mit Aktionen und Unternehmungen würdigen, hinbekommen, dass am Samstag ein bisschen Kirmesflair zumindest in den heimischen Garten gezaubert wird. Tina Nitsche

Das Pferd macht deutlich, welches Spiel hier am Samstag gespielt wird. Foto: Tina Nitsche